Die Galerie David Zwirner (New York, London) zeigt zum zweiten Male in Folge auf der Kölner Kunstmesse für Zeitgenössisches, der ART Cologne. Auch in Köln vernahm man das Werben der Kunstszene Brüssels - die ihre Messe kurzerhand auf nahezu den gleichen Termin wie den der etablierten und vormals richtungsweisenden Kölner Messe legten. Wir trafen die Wahl-New Yorkerin und Associate Director Veronique Ansorge, verantwortlich für den Messe-Auftritt der Galerie, zu ihrem ersten Fazit auf der ART und in unserem Hotel marsil.
Ihr seid zum zweiten Mal auf der ART Cologne. Wie schätzt Du die Messe im Vergleich zum Vorjahr ein? Hat sich was getan?
Auf jeden Fall. Ich finde die Präsentation dieses Jahr sehr gelungen, auch die Aussteller kommen mir persönlich internationaler vor. Auch der obere Bereich mit der jungen Szene ist absolut sehenswert.
Du meinst hier doch sicher auch die NADA (=New Art Dealers Alliance is a not-for-profit collective of professionals working with contemporary art) aus New York, die letztes Jahr bereits eingeladen war?
Ja, auch die NADA finde ich gut. Viel aussagekräftiger als letztes Jahr, wo ich sie etwas zu minimal fand. Dieses Jahr ist das alles deutlich spannender.
Wenn du schon spannend sagst - was habt Ihr dieses Jahr gezeigt?
Wir sind dieses Jahr sehr konzeptionell an die Messe ran gegangen und haben Künstler gezeigt die aktuell bei uns in den Galerien zu sehen sind bzw. die grosse internationale Schauen vor sich haben. So zeigen wir bspw. bei uns in New York derzeit die neuen Arbeiten von Thomas Ruff, in London haben wir aktuell eine Ausstellung mit dem jungen Kanadier und Wahl-New Yorker Marcel Dzama laufen.
Philip-Lorca diCorcia, über den Ihr ja schon auf GoSee berichtet habt, zeigt dieses Jahr im Juni in der Schirn, einem der renommiertesten Ausstellungshäuser Europas, Christopher Williams Einzelausstellung geht im Mai bei uns in London an den Start und Stan Douglas zeigt im Herbst im Haus der Kunst. Von all diesen Künstlern haben wir Arbeiten in Köln dabei.
Und wie kamen sie beim Messepublikum an?
Ich würde sagen insgesamt sehr gut. Besonders die Ruff-Arbeit stiess auf sehr grosses Interesse bei unseren Besuchern, aber auch gerade Marcel Dzama begeisterte unser junges Publikum.
Das heisst Ihr habt auch verkauft in Köln? Wenn ja - wen?
Wir haben tatsächlich verkauft und sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Arbeiten von Ruff, Dzama, Rauch .... darüber hinaus haben viele gute Gespräche am Stand stattgefunden, die ja auch immer vor dem Verkauf stehen. So bin ich sehr überzeugt das sich auch über die Messe hinaus noch mehr entwickeln wird.
Von Ruff gibt es ganz neue Arbeiten. Was hat es mit ihnen auf sich? Was ist das Besondere? Und zu welchem Preis?
Das Besondere ist im Endeffekt das es sich bei den gezeigten Arbeiten gar nicht mehr um Fotografien handelt. Sein Ausgangspunkt waren die Photogramme der 20er Jahre - also lichtempfindliches Papier, das ohne Kamera allein durch die Belichtung in der Dunkelkammer zu spannenden Ergebnissen führte. Er stellte während des Prozesses jedoch fest, dass die Ergebnisse für heutige Verhältnisse eher limitiert sind. So entwickelte er seine Photogramme mittels virtueller Objekte am Computer. Die von uns gezeigte Arbeit ist in einer Auflage von vier Stück erschienen und kostet 70.000 Euro.
Wie sieht denn generell eure Preislage für die gezeigten Arbeiten in Köln aus?
Das kann man eigentlich nicht so pauschal beantworten. Das hängt von vielen Faktoren ab, so bspw. von dem Medium, von der Auflage - und nicht zuletzt von dem Punkt der Karriere an dem sich der jeweilige Künstler befindet. Wir decken ein sehr breites Spektrum ab, so bspw. von Collage bis hin zu Malerei, entsprechend reichen die Preise von 4000 Euro bis zu über einer Million Euro. Wobei wir aber immer darauf achten, dass auch etwas für junge Sammler dabei ist.
Hattest Du Zeit Dir neben der Messe auch etwas vom Kölner Side-Programm anzusehen?
Natürlich ist so eine Messe immer schon sehr intensiv. Doch natürlich wäre es schade wenn man sich nur darauf konzentriert. Gerade hier in Köln ist auf Grund der hohen Galerie-Dichte eine Menge los während der Art. Aber auch die Sonderausstellung der Stoschek-Collection (Die JULIA STOSCHEK COLLECTION der gleichnamigen Brose Fahrzeugteile-Gesellschafterin Julia Stoschek ist eine internationale private Sammlung zeitgenössischer Kunst mit dem Fokus auf zeitbasierter Medienkunst) auf der Messe gefiel mir gut.
Ansonsten fand ich das Konzert bei Gisela Capitain von Mats Gustafsson sehr gelungen, ebenso die Ausstellungen bei der Galerie Daniel Buchholz (Cameron Jamie, und Gruppenausstellung mit Elie Nadelman, Jim Nutt, Tomma Abts, Vincent Fecteau) und nicht zu vergessen das Kolumba Museum.
Letztes Jahr hattet ihr zum David Zwirner Art Dinner geladen. Gab es dieses Jahr eine Fortsetzung?
Ja, das ist fast schon eine kleine Tradition(lacht). Wir laden Sammler aus der Region ein plus unsere internationalen Kontakte die zur ART Cologne in der Stadt sind. Das sind dann so um die 80 bis 100 Leute und immer eine spannende Mischung.
Und - kommt Ihr wieder?
Du, man weiss nie genau was nächstes Jahr ist. Mir persönlich gefällt Köln sehr gut, die gewisse Unaufgeregtheit der Stadt, das Kunstverständnis. Für uns war die Messe ein Erfolg, von hier aus arbeiten wir weiter.
CURRENT EXHIBITIONS
Thomas Ruff: photograms and ma.r.s. | March 28 - April 27 | 525 & 533 West 19th Street, New York
Gordon Matta-Clark: Above and Below | April 2 - May 4 | 519 West 19th Street, New York
UPCOMING EXHIBITIONS
Marcel Dzama: Puppets, Pawns, and Prophets | April 6 - May 11 | 24 Grafton Street, London
Richard Serra: Early Work | April 12 - June 15 | 537 West 20th Street, New York
Palermo: Works on Paper 1976-1977 | April 25 - June 29 | 537 West 20th Street, New York
Jeff Koons: Gazing Ball | May 8 - June 22 | 525 & 533 West 19th Street, New York
Christopher Williams: For Example: Dix-Huit Leçons Sur La Société Industrielle (Revision 18) | May 17 - June 15 | 24 Grafton Street, London
Donald Judd | June 21 - August 3 | 24 Grafton Street, London
