Der in Berlin lebende ATAU arbeitet exklusiv mit Klebeband. Was sich merkwürdig anhört ist wunderschön anzusehen. Grafisch, wohl-überlegt und inspirierend : "Durch Tape neue Raumerfahrungen zu entwickeln und mit dem gegebenen Raum zu interagieren, fasziniert mich. Ich erstelle einzigartige künstlerische Konzepte, um Innen- und Außenräume neu zu gestalten."
Seine Kunstwerke, Installationen und Wandbilder sind inzwischen in Galerien, Ausstellungen, Straßenkunstveranstaltungen und auf Festivals auf der ganzen Welt zu finden. So wurden seine Arbeiten erst kürzlich in Tokio in der Kunstgalerie 3331 als Teil des Mt-art-Projekts von Mt masking tape Japan ausgestellt.
"In meiner künstlerischen Herangehensweise experimentiere ich mit dem Medium Klebeband und hinterfrage seine Grundprinzipien: Durch Schnitte und Auslassungen löse ich gerade Linien auf, integriere Kreisformen, lasse Lücken, durch die die Materialität der Oberfläche als weitere Ebene sichtbar wird. Farbüberlagerungen und -versätze erzeugen Farbverläufe, die je nach Position des Betrachters die Linien beim Betrachten auflösen. Mein Ausgangspunkt sind oft Strukturen und Raster, in die ich sehr detailliert hinein- und herauszoome: urbane Netzwerke, Bildelemente wie Pixel, Nervensysteme, die sich miteinander verbinden. Ich arbeite oft intuitiv und ohne Vorlage. Meine Kunstwerke und Installationen entstehen organisch. Es fasziniert mich, während des kreativen Prozesses Entscheidungen zu treffen, die mein künstlerisches Ergebnis beeinflussen." so Atau.
Wir hatten da natürlich ein paar Fragen.
Tape ist ja eigentlich nicht so naheliegend würde man denken. Wie kam es dazu?
Schon als Schüler war ich intensiv damit beschäftigt, meine Bücher neu zu gestalten. Geboren in Berlin, bin ich in Kreuzberg unter dem Dach der beiden Medienkünstler Gusztav Hámos und Katja Pratschke aufgewachsen. Solange ich denken kann, gaben mir meine Eltern die Freiheit, mich kreativ zu entfalten. Noch in der Schule gründete ich mit drei Freunden aus der Nachbarschaft das Künstlerkollektiv »Solit«. Ich entwarf das Logo, Mode, Aufkleber und unsere Social-Media-Präsenz. 2018 stolperte ich über Tape als Medium und beschloss, mich weiter auf meine Tape-Kunstwerke zu konzentrieren. Ich begann mit verschiedenen anderen Künstlern zusammenzuarbeiten, führte als freier Künstler Kunstprojekte durch und arbeitete dabei mit Marken wie Adidas, Samsung oder Audi. Während dieser Zeit wuchs meine Begeisterung für Tape Art und die unendlichen Möglichkeiten dieses Mediums weiter. Seitdem habe ich in verschiedenen europäischen Ländern sowie in Japan, Taiwan und China Installationen und andere Artworks geschaffen.
Arbeitest du immer grafisch?
Die meisten meiner Kunstwerke sind abstrakt. Ich liebe es, farbenfrohe Kunst mit starken Kontrasten zu machen. Ich arbeite mit einfachem Gaffer Tape, Folien und allem anderen, was an einer Wand klebt. Durch ein Kunststipendium in Tokio und Ushimado habe ich eine Patenschaft mit dem japanischen Klebebandhersteller mt masking tape bekommen. Sie produzieren spezielle Klebebänder, die aus Washi-Papier hergestellt werden. Was ich an der Arbeit mit diesen Tapes liebe ist, dass sie eine super breite Farbpalette haben und, weil das Material leicht transparent ist, kann man durch Übereinanderlegen noch mehr neue Farben mischen.
Was inspiriert dich?
Von klein auf war ich fasziniert von meiner alltäglichen urbanen Umgebung, von Maschinen und Architektur. Ein großer Teil meiner Inspiration kommt aus der Op-Art, digitalen Bildelementen und Street Art. Ein paar Künstler, die einen großen Einfluss auf mich hatten, sind Victor Vasarely, Yayoi Kusama, Felipe Pantone, Heinz Edelmann, Niki de Saint Phalle, Demsky J. ....
Wir haben Dich ja gerade auf der UPDATE erlebt und sind beeindruckt von der Ruhe die du in all dem Trubel ausstrahlst. Live Performance – gehört das für Dich dazu? Oder arbeitest Du lieber allein und in Ruhe?
Bei der Art Kunst die ich mache gehört es dazu das ich im engen Austausch mit Sammlern und Kunden stehe, oft auch während des Schaffensprozesses. Daher ist es für mich total normal das mir andere bei der Arbeit zusehen, fragen stellen oder Anregungen abgeben. Solange ich dabei meine Künstlerische Freiheit behalte finde ich das teilweise sehr bereichernd. Mich motiviert es in der Regel live vor Zuschauern zu kleben. Ich finde es aber auch ein tolles Gefühl wenn man über Wochen etwas vorbereitet und dann die Reaktion von Besucher*innen auf das vollende Kunstwerk zu sehen.
Wie war es denn konkret bei uns auf der UPDATE zu ‚arbeiten‘?
Es war auf eine neue Erfahrung vor so vielen Branchen-bekannten Gesichtern live sein Können unter Beweis stellen zu dürfen. Was mich total überrascht hat war das mich viele Besucher*innen erkannt haben über Projekte wie z.b. die Gestaltung der JVM Academy. Ich bin Eva überaus dankbar für die Chance und falls es sich 2023 geben sollte gerne auch wieder für eine Live-Performance am Start.
Vor den Augen Deiner Agentin zu tapen ist dann ja sicher gar kein Problem für Dich?
Stimmt, das war für mich kein Problem. Eva und ich pflegen ein freundschaftliches Verhältnis. Tatsächlich war ich sehr froh darüber mit ihr zusammen bei der UPDATE gewesen zu sein. Dadurch konnte ich mich auf meine Kunst konzentrieren während sie interessierte Kunden und Sammler betreute.
Was und wann ist der nächste Auftritt?
Mein nächster Auftrag ist in ***, Ungarn vom 06.06-11.06. Zusammen mit den Medienkünstlern Gustav Hámos und Katja Pratschke realisieren wir eine Installation mit dem Titel: The Bush is on Fire. Bei dieser Installation rekonstruieren wir eine Synagoge und eine Kirche die zu unterschiedlichen Zeiten zerstört worden sind. Durch die Interaktion können die Besucher*innen aktiv die Gebäude wieder auferstehen lassen. Die Installation vereint Foto Video und Tape Art und ist Teil der Ausstellung mit dem Titel 'Community Building'. Ausstellungseröffnung: 10.06.2022 - 10.10.2022 Ort: Székesfehérvár Museum: Csók István Képtár.
Wir merken uns das natürlich - und sind gespannt ob wir ATAU in 2023 auf der nächsten UPDATE-23-BERLIN wiedersehen. Wir würden uns freuen.
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