Zum Goldenen Hirschen wurde 1995 gegründet und gehört seit Jahren zu den kreativsten Kommunikationsagenturen Deutschlands. Aktuell arbeiten über 250 Mitarbeiter an den Standorten Berlin, Hamburg, Köln, Dubai, New York und seit 2011 auch in München und betreuen bei mehr als 40 Kunden ein Etatvolumen von über 120 Mio. Euro. Integrierte Campaigning-Teams aus Strategie-, Werbe-, PR- und Online-Experten decken das gesamte Feld der Kommunikation ab. Wir freuen uns Jens Agotz, Teamleiter Kreation ZgH Berlin in der Jury der GoSeeAwards begrüßen zu dürfen, Fachbereich TRANSPORATION, und nutzten sehr gerne die Chance ihn Euch im Interview vorzustellen.
Du hast die kreative Leitung bei der Werbeagentur Zum Goldenen Hirschen in Berlin übernommen. Als Leiter des 30-köpfigen Kreativteams wirst Du dort alle Kunden des Standortes betreuen. Was hat Dich an der Aufgabe gereizt? Zum einen ist das Spektrum von politischer Kommunikation bis Markenwerbung sehr spannend. Zum anderen ist der Gestaltungsspielraum größerer als beispielsweise in einer Network-Agentur. Außerdem ist unser 30-köpfiges Team genau richtig – nicht nur von der Größe, sondern auch von den einzelnen Persönlichkeiten her.
Wir hörten es ist eine Art Wiedereinstieg, schließlich hat Dein Weg in die Werbung 2001 mit einem Praktikum eben dort begonnen, wie kam es dazu? Ehrlich gesagt hat mich mein Studium gelangweilt. Also habe ich etwas Spannendes gesucht und den Praktikumsplatz bei den Hirschen gefunden. Danach absolvierte ich die Texterschmiede in Hamburg und arbeitete anschließend bei weigertpirouzwolf sowie ab 2006 bei Scholz & Friends. 2013 bin ich zu S&F Berlin gewechselt. Anfang dieses Jahres kam das Angebot von ZgH und so hat sich der Kreis geschlossen.
Wie wird man Teamleiter? Und vor allem was können wir uns konkret darunter vorstellen? Zu den Aufgaben gehören neben der kreativen Führung unter anderem Personalverantwortung, Neugeschäft und die Optimierung der Rentabilität. Bei ZgH teile ich mir diese Aufgaben mit dem Teamleiter Beratung, André Musalf. Aber bereits bei Scholz & Friends bin ich in die Rolle des Family-Leiters hineingewachsen und war z.B. für die VHV Versicherungen und den nationalen Opel Etat verantwortlich.
Die Hirschen Group, Hamburg, hat das Netzwerk «The Golden Dudes Worldwide» ins Leben gerufen für Kunden mit internationaler Ausrichtung oder internationalen Projekten. Was genau ist die Idee dahinter? Die Kampagnen werden nicht einfach nur adaptiert, sondern mit kreiert bzw. individuell an den einzelnen Markt angepasst. Dazu haben wir kreative und flexible Partner-Agenturen gefunden, die mit uns auf einer Wellenlänge sind und von denen wir im Austausch auch viel lernen.
Ihr habt mit Eurem Schweizer "Dude", der Agentur Partner & Partner, eine Kampagne für die Schwarze Dose 28 umgesetzt. Wie seid Ihr hier Dudes-mässig vorgegangen? Wir haben sehr eng mit Partner & Partner zusammen gearbeitet und beispielsweise einen Schweizer Kreativen für sechs Monate in Berlin am Lead-Account arbeiten lassen. Anschließend wurde die Kampagne maßgeschneidert in der Schweiz ausgerollt.
Mit dem Work-Life-Balance-Claim „Der Tag hat 28 Stunden“ stehen uns also laut Euch vier Stunden mehr am Tag zur Verfügung. Was würdest Du mit vier Stunden mehr am Tag anfangen? Im Moment würde ich die Zeit tatsächlich gern etwas mehr schlafen. Aber maximal zwei zusätzliche Stunden. Eine weitere Stunde würde ich für Besuche in Galerien und Museen nutzen. Und über die vierte Stunde könnten sich Freunde freuen. Besonders die, die ich lange nicht mehr gesehen habe.
Was beschäftigt Dich außerhalb der Agentur? Ich reise unheimlich gern und lerne dabei Land und Leute kennen. Das macht nicht nur Spaß, sondern ändert den Blickwinkel und erdet auch. Weil man dabei immer wieder merkt, dass es woanders echte Probleme gibt, während wir uns in Deutschland über Banalitäten aufregen.
Gibt es einen Moment in Deiner beruflichen Laufbahn an den Du Dich immer gerne wieder zurückerinnerst? Es gibt vor allem einen Moment, an den ich mich ungern erinnere: Nach einer Agenturparty brannten nachts die Räume von weigertpirouzwolf aus. Und ich hatte die Agentur als letzter verlassen. Später stellte sich heraus, dass ein Kurzschluss in der Küche der Auslöser war. Abgesehen davon habe ich auch viele sehr schöne Erinnerungen.
Storytelling gilt als die neue Königsdisziplin in der Werbung. Viele Stories unterhalten, sind aber in der Werbewirksamkeit fraglich. Wie ist Euer Ansatz? Ich kann Storytelling nur empfehlen, weil es tatsächlich dafür sorgt, dass man sich stärker erinnert und Produkt bzw. Marke im Relevant Set abspeichert. Allerdings sollte die Story mit dem Produkt verknüpft sein. Bei einer stimmigen und gut erzählten Geschichte schmälert es auch nicht die Originalität, wenn das Produkt benutzt und groß gezeigt wird.
In der neuen Imagekampagne für das Überraschungs-Ei wurde die Marke ‚mit neuen Werten aufgeladen‘ so entnehmen wir Eurer PM. Ihr habt, so meldet Ihr, einen stärkeren Aspekt auf das Ü-Ei-Erlebnis gelegt – den Moment der Neugierde als Urinstinkt des Menschen. Ist es schwierig einem Kunden eine solche neue Idee zu verkaufen? Neue Ideen verkaufen sich immer schwerer als herkömmliche. Allerdings ist meine Erfahrung, dass es einfacher klappt, wenn man gut und schlüssig erklärt, worin der Vorteil für die Marke besteht. Nur kreative Arbeit leisten, reicht leider nicht. Die Verkaufsstrategie sollte genauso gut durchdacht sein.
Euer Berliner Standort setzt regelmäßig die „Berlin - Stadt der Chancen“ Kampagne für den Kunden Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH um. Die seit 2008 laufende Kampagne stellt die Besonderheiten der Stadt Berlin in den Vordergrund und aktuell habt Ihr neue Motive produziert. Was ist für Dich „Typisch Berlin“ und was würdest Du als fiktiver neuer Bürgermeister besser machen? Typisch Berlin: Berliner haben eine große Klappe und ein noch größeres Herz. Die Stadt ist Weltstadt und Provinz zugleich. In Mitte wird mehr Englisch als Deutsch gesprochen. Als fiktiver Bürgermeister würde ich den S-Bahn-Umbau beschleunigen, BER schließen und Tegel behalten.
Wir freuen uns sehr, dass Du unsere ersten GoSeeAwards in der Jury unterstützt. Welchen Stellenwert hat die Fotografie für Dich persönlich und für die Umsetzung von erfolgreichen Kampagnen? Und sammelst Du selber Kunst bzw. gibt es Fotografen die Dich inspirieren? Gute Fotografie unterstreicht eine Idee und gibt ihr gleichzeitig einen ganz eigenen Charakter. Von daher werde ich sicherlich auch irgendwann Fotografie intensiver sammeln. Im Moment beschränkt sich meine Sammlung auf Andrea Papi, einen jungen Fotografen aus Rom.
Du möchtest uns in der Kategorie TRANSPORTATION unterstützen - warum genau diese Kategorie? Was denkst Du erwartet Dich? Und bist Du ein Autofan? Da ich bereits für BMW, MINI und Opel gearbeitet habe, lag die Kategorie nahe – obwohl ich mich nicht als Autofan bezeichnen würde. Eher als Autokampagnenfan. Von daher freue ich mich auf spannende und vor allem abwechslungsreiche Motive.
Und mt diesem tollen Interview erklären wir die Anmelde-Phase zu unseren ersten GoSeeAwards offiziell für beendet. Schon zum Wochenende hin beginnt die Sichtung, wir sind selber schon ganz gespannt. Wir werden Euch natürlich weiterhin auf dem Laufenden halten.