Im Jahre 1889 wurde der in Leipzig geborene Gärtner und Botaniker Georg August Zenker Leiter der Forschungsstation Jaunde der deutschen Kolonie Kamerun. Nach sechsjähriger Amtszeit wurde Zenker überraschend von seiner Position entlassen. Tatsächlich soll er auf der Station in Polygamie mit mehreren afrikanischen Frauen gelebt haben und aus diesen Beziehungen sollen auch Kinder hervorgegangen sein. Wikipedia hierzu : "Isoliert von europäischen Kontrollinstanzen baute Zenker ein Netzwerk von persönlichen Beziehungen auf, das auf Polygynie beruhte. Daraus gingen in den folgenden Jahren fünf Kinder hervor. Im November 1891 wurde Max-Felix Zenker geboren, dessen Mutter Embolo war, die Tochter des Chefs Tschungi Mballa Ngono. Eine Frau aus Dahomé wurde die Mutter von Curt Julius und Hans Zenker. Seine dritte Frau während dieser Zeit war Ngoso, die Tochter des Bruders von Esono Ela, Onambele Ela."
Zenker verließ Kamerun daraufhin, kehrte aber bald als Privatmann zurück. Er ließ sich mit seiner Familie (einer Frau aus Dahomé und fünf Kindern) im tief im kamerunischen Dschungel gelegenen Bipindi nieder, wo er sich den Bipindihof errichten liess; ein Haus im deutschen Kolonialstil und grossflächige Plantagen für den Anbau von Kakao, Kautschuk und Bananen.
Den Großteil seines Einkommens erwirtschaftete Zenker als Sammler zahlreicher Pflanzen- und Tierbelege sowie ethnologischer Objekte für deutsche Museen. Zenkers Handeln und Denken war auf der einen Seite stark geprägt von kolonialem Denken. Er zeigte aber auch immer wieder Momente, in denen er sich den kolonialen und militaristischen Praktiken seiner Vorgesetzten und Landsleute widersetzte.
Zenker hat trotz des fehlenden naturwissenschaftlichen Studiums eine Reihe von Beiträgen auf den Gebieten der Botanik und der Zoologie geliefert. Er schickte allein 5.000 Pflanzenproben nach Deutschland. Wichtige Abnehmer für seine Objekte war das Zoologische Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, die Botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien sowie das Ethnologische Museum. Da er auch Maler und Zeichner war, fügte er seinen Exponaten oft noch farbige Skizzen bei. Als sich Anfang 1916 die deutsche Schutztruppe ins benachbarte Rio Muni zurückzog, erhielt Zenker den Auftrag, nach deren Passage die Brücke über den Lokundje zu zerstören. Er tat dies nicht und wurde deshalb als einziger Deutscher nach Kriegsende in Kamerun geduldet.
Er starb 1922 und liegt auf dem Bipindihof begraben. Zenkers Nachfahren leben heute weit verteilt in Kamerun und Europa, beziehen sich in großen Teilen aber noch immer auf den inzwischen stark verfallenen Bipindihof als den Ursprungsort ihrer Familie. Für ihr Projekt reisten die Fotografen Yana Wernicke und Jonas Feige mehrfach in die heutige Republik Kamerun, um den Spuren Zenkers nachzugehen und dessen Nachfahren zu portraitieren.
About - Kamerun. 1868 wurde durch die Errichtung von Handelsniederlassungen des Hamburger Handelshauses Woermann an der Mündung des Wouri der deutsche Einfluss auf Kamerun immer stärker. Am 14ten Juli 1884 schloss der deutsche Generalkonsul Gustav Nachtigal als Kaiserlicher Kommissar mit mehreren Headmen der Duala und anderen regionalen Herrschern Schutzverträge ab und proklamierte damit das Schutzgebiet Kamerun als Deutsche Kolonie. Im Ersten Weltkrieg konnte sich die zahlenmäßig und materiell unterlegene deutsche "Schutztruppe" zwei Jahre in Kamerun halten. 1916 ergab sich die letzte Garnison in Mora (Nordkamerun) der britischen Kolonialarmee. Durch den Versailler Vertrag von 1919 ging Kamerun offiziell in den Besitz des Völkerbundes über, der wiederum ein Mandat zur Verwaltung an Großbritannien und Frankreich gab. Es kam zur Aufteilung des Landes, bei der Frankreich vier Fünftel erhielt. Erst am 1. Januar 1960 erhielt das französische Kamerun - nach einer Volksabstimmung und nach dem Auslaufen des UN-Mandats - die Unabhängigkeit und nennt sich fortan Republik Kamerun.
About - Yana Wernicke (*1990) und Jonas Feige (*1988) sind zwei in Berlin lebende Fotografen. Beide haben an der Berliner Ostkreuzschule für Fotografie studiert und verbinden in ihrer Arbeit künstlerische und dokumentarische Ansätze. Ihre Fotografien wurden international ausgestellt und ausgezeichnet.
ZENKER - Yana Wernicke und Jonas Feige . Mit Originalbriefen von Georg August Zenker (dt./engl.) und Texte von Jonas Feige, Yana Wernicke, Georg August Zenker, Elisabeth Zenker, Jean Michel Zenker, Marie-Thérèse Zenker . Gestaltung Studio Krispin Heé (Krispin Heé, Tim Wetter) . Deutsch/ Englisch . 18,5 x 26,6 cm . Hardcover . 268 Seiten . 164 Abbildungen . € 68,- . ISBN 78-3-907236-18-5 . Edition Patrick Frey . GoSee : editionpatrickfrey.com///zenker


