KI ist in Fotografie, Postproduktion, Fashion und Advertising längst Teil des kreativen Alltags. Doch was macht sie mit unserer visuellen Kultur – und mit der Art, wie wir Bilder erzeugen, lesen und ihnen vertrauen? Genau hier setzt die große Sommerausstellung The World Through AI der SCHIRN Kunsthalle Frankfurt an.

Rund 40 Werke von etwa 30 internationalen Künstler beschäftigen sich mit den kognitiven, psychologischen, politischen und ökologischen Dimensionen künstlicher Intelligenz. Videos, Fotografien, Skulpturen und Grafiken untersuchen maschinelles Sehen, Gesichtserkennung, Trainingsdaten, Mikroarbeit, Erinnerung und Imagination – und damit eine Technologie, die längst weit über die reine Bilderzeugung hinausreicht.

Mit dabei sind Hito Steyerl, Trevor Paglen, Holly Herndon & Mat Dryhurst, Kate Crawford & Vladan Joler, Agnieszka Kurant, Harun Farocki, Joan Fontcuberta, Julian Charrière und viele weitere internationale Positionen.

Für die GoSee-Welt besonders interessant ist der Bereich „Ein statistischer Fotorealismus“. Generative, mit Milliarden von Bildern und Texten trainierte Modelle produzieren heute täuschend echte Ergebnisse, ohne optische Erfassung oder Lichtaufzeichnung. Damit verschiebt sich eine der Grundannahmen der Fotografie: ihre Verbindung zu einem tatsächlich existierenden Motiv. Joan Fontcuberta etwa zeigt in eHerbarium fotorealistische Pflanzen, die mit Stable Diffusion entstanden sind – und nie existiert haben.

Die SCHIRN schaut dabei konsequent auch hinter das sichtbare Ergebnis. Timo Arnall richtet den Blick auf die riesigen Rechenzentren und den enormen Strom- und Wasserbedarf digitaler Infrastruktur. Hito Steyerl thematisiert mit Mechanical Kurds die weitgehend unsichtbare menschliche Arbeit hinter vermeintlich autonomen KI-Systemen.

Auch AI Slop und Slopaganda gehören zur Ausstellung: synthetische, repetitive Inhalte, die soziale Netzwerke fluten und zunehmend für politische Propaganda eingesetzt werden. Andere Arbeiten beschäftigen sich mit diskriminierenden Trainingsdaten, kolonialen Bildarchiven, Halluzinationen oder der Frage, ob eine andere, offenere und kollektiv gedachte KI möglich ist.

The World Through AI diskutiert damit weniger, ob KI unsere Bildwelt verändern wird. Das ist längst passiert. Spannender ist die Frage, wie wir mit dieser neuen Bildrealität umgehen – als Fotograf, Artists, Kreative und nicht zuletzt als Betrachter.

THE WORLD THROUGH AI

SCHIRN Kunsthalle Frankfurt

11. Juni – 20. September 2026

Halle 2 bis 6. September 2026

schirn.de