Wir freuen uns, Dennis Werner - Creative Director & Visual Director - in der Jury unserer GoSeeAWARDS zu begrüßen. Seit mehr als 20 Jahren setzt er Kreativkonzepte und Kampagnen für Brands und Kunden aus dem Luxusbereich um. Von 1994 bis 2000 war er als Art und Associate Creative Director für Select in New York tätig. 2001 war er Mitbegründer des Berliner Select Büros. Sein Gespür für Design und Bilder und seine Erfahrung im Marketing und der Konzeption setzt er heute als Freier Kreativer für seine Kunden ein. 'To transform the principals of brand building and visual storytelling into the digital age' so lautet die Devise von Dennis Werner. Zudem gibt er sein Know-How als Dozent an der BTK Hochschule für Gestaltung an die Studierenden weiter. Gerne stellen wir Euch den Top-Kreativen im Interview auf GoSee vor.
Worin liegt der Unterschied zwischen Creative Director & Visual Director?
Für mich kann das einen großen Unterschied machen. Klar gibt es Creative Direktoren die auch visuell eine klare und eindringliche Handschrift haben, aber dies muss nicht zwangsläufig so sein. Man kann auch ein guter CD sein, ohne an der Stelle besondere Fähigkeiten zu haben. Denn wenn die reine Konzeption im Vordergrund steht und die visuelle Umsetzung nur so neben bei läuft ist der Job auch bei vielen Kunden getan. Ich habe im Moment auch sehr stark das Gefühl, dass wir in einem visuellen Zeitalter leben, bei dem die Qualität von Fotografie nicht mehr an oberster Stelle steht. Durch soziale Medien, Instagramfilter schnell, schnell und einem gewissen Preisdruck verändert sich auch die Sicht auf die Fotografie. Ein normaler Prozess... Aus meiner Sicht haben wir in Deutschland aber keine wirklich starke verankerte Kultur von visueller Konzeption. Länder wie Frankreich, England und die USA sind da deutlich weiter. In der Agenturlandschaft sind Allrounder gefragt, die vor allem konzeptionell stark mitarbeiten können. Dort liegt der Focus. Aus meiner Sicht ein Fehler. Jede gute Agentur sollte ein visuelles Atelier haben, bei dem die visuell starken Kreativen die Kampagne schleifen. Nur so entsteht ein unverwechselbares Produkt, das eine starke visuelle Klammer besitzt und dem Konsumenten auffällt und sich von der täglichen Datenflut abhebt.
Warum ist Emotional Storytelling so wichtig in unserer Zeit und haben Sie hier ein Beispiel aus Ihrer Arbeit für uns?
Ganz einfach - der Mensch bleibt ein Mensch. Menschen fühlen analog - lieben es aber, digital verführt zu werden. Kommunikativ wirksame Ideen von Morgen müssen technisch faszinieren, sozial involvieren und natürlich emotional überzeugen. Ich versuche in all meinen Arbeiten den Moment zu finden, der Menschen berührt - mal klappt es mehr mal weniger … Aber das sollte das Ziel jedes Kreativen sein, egal was er macht, ob Produkte, Medien, Kunst oder Design… Es sollte das Gegenüber berühren oder zum Nachdenken anregen. Einer der größten Vorbilder in diesem Zusammenhang ist für mich Jean-Paul Goude aus Frankreich.
An welche aktuellen Projekten arbeiten Sie gerade bzw. was können Sie uns auf GoSee zeigen?
„Bloom" ist ein freies Beauty Projekt mit dem Fotografenduo Sonja Gutschera und Leif Henrik Osthoff mit Unterstützung von MDC Cosmetic Berlin. Die Idee bestand darin, den Frühling mit "frischen Gesichtern“ verschiedener Modellagenturen und entsprechenden Beautyprodukten in Szene zu setzen. Wichtig hierbei war es mit dem klassischen Beauty-Ansatz zu brechen und mehr die Kraft der einzelnen Protagonisten und die Zufälligkeit der Natur einzufangen. Ein grafisch klares Layout gibt den einzelnen Motiven eine ganzheitliche Klammer.
"Liberation of creativity“ heisst das gemeinsam Projekt mit THE SCOPE für TOM FORD , bei dem Sie High-end Technologie mit einem starken visuellen Konzept verbinden …
Das Thema CG Photography beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Für mich eine Thema der Zukunft. Die Idee war es ein nicht ganz so leicht zu realisierendes Stilllife-Konzept rein über den Computer zu lösen. Schwarze Orchideen und ein fliegender Kolibri sind schon mal echte Herausforderungen die nicht mal eben so zu realisieren sind. Hier haben Faruk Heplevent und ich angesetzt. Die Idee war es, für Tom Ford eine Strecke zu entwickeln die ikonographisch den Duft „Back Orchid“ einfängt. Auf alle Fälle ist es uns gelungen die Ebenen zwischen realen Objekten und virtuellen Objekten aufzubrechen. Man kann aus meiner Sicht keinen Unterschied feststellen. Im Gegenteil man hat dadurch mehr kreativen Spielraum sich das Bild so zu bauen wie man es sich in seiner Phantasie vorgestellt hat. Mit dem richtigen Operator ein unendliches Spielfeld, das ganze neue Blickwinkel in vielen Bereichen der Werbung zulässt. Neben der Autofotografie vor allem im Bereich der Beauty/ Stilllife Fotografie eine echte Bereicherung für die Zukunft.
Zudem haben Sie die aktuelle Kampagne für PETER HAHN umgesetzt?
Ja, zusammen mit Heike Gudella (GF Strategie) und Swantje Pollex (Art Direction) von der Agentur VSF&P aus Hamburg ging es diesmal nach Namibia - ein unfassbar großes, weites Land. Zusammen mit den Regisseur Stephan Hadjam haben wir wieder einen gefühlvollen Film für den Kunden PETER HAHN umsetzten können. Die Arbeit zwischen Kunden, Agentur und Produktion ist wirklich geprägt von Vertrauen und einer kreativen Freiheit vor Ort, die man der Arbeit ansieht. Denn nur wenn man in der Lage ist spontan auf die Gegebenheiten vor Ort zu reagieren, kann man noch mehr aus einem Script rausholen. Fashionfilm lebt von großen Bildern und Momentaufnahmen die in Bruchteilen von Sekunden entstehen. Da wäre ein streng reglementiertes Shootingboard falsch am Platz.
Hier bei GoSee zeigen wir zudem den aktuellen PETER HAHN Film, der mit Regisseur Stephan Hadjam in Namibia produziert wurde sowie den F/S 2016 Kampagnen Film der auf Cuba entstand.
Namibia als der perfekte Ort, um ein Outfit-Wechselspiel zu inszenieren: neue Mode in schier unendlicher Weite und Freiheit entdecken, sich ausprobieren und einfach mal bewusst neben der Spur des Alltags bleiben. Der emotionale 20“ Spot sowie der eher taktisch orientierte, auf Outfitwechseln basierenden 10“ Spot, läuft in Holland, der Schweiz und in Deutschland Anfang August 2016.
Also verführt Dennis Werner mit Euren Geschichten, mit ungewöhnlichen Beauty-Strecken, Reportagen, CGI Projekten... Bis zum 24. August können Fotografen, Illustratoren, Stylisten und Kreative ihre stärksten Arbeiten einreichen, egal ob freie oder Auftragsarbeiten. Einfach über den GoSee Account einloggen und Artwork für die GoSeeAWARDS einreichen. Und persönlich trifft man den Creative Storyteller auf der UPDATE16 in Berlin.