Anastasia Samoylova nimmt uns mit auf eine Reise durch fiktive Metropolen. Ihre Aufnahmen sind meisterhafte Reminiszenzen urbaner Fotografie: Von riesigen Werbetafeln in den Schatten gestellte menschliche Figuren, die sich scheinbar gleichgültig durch den Stadtraum bewegen und deren Silhouetten sich collagenartig in den Schaufenstern spiegeln.
Es handelt sich um einen handwerklichen Arbeitsprozess, bei dem anonyme, lizenzfreie Bilder aus dem Internet gedruckt, ausgeschnitten, zusammengesetzt, montiert und in die Dreidimensionalität gebracht werden, um nach dem Fotografieren wieder in die Zweidimensionalität zurückzukehren.
Samoylova spielt bewusst mit diesen Klischees, dekonstruiert und komponiert sie auf einer höheren Ebene neu, die sich allzu einfachen Statements entzieht. Stattdessen lädt sie uns dazu ein, über die Rolle der Fotografie selbst bei der Schaffung einer Kluft zwischen inszenierter Markenidentität der Städte und ihrer alltäglichen Realität nachzudenken. In der gesamten Serie gibt es eine Spannung zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen, zwischen anonymer und auktorialer Fotografie.
Die Fotografin auf Instagram: 'All images have an agenda. They are not innocent. My photographs of images permeating public space allude to the prevalence of images in our lives beyond the public sphere; they are central to the contemporary human experience. What choices would we be making if there hadn’t been all this advertising for where to live, what to wear, drive, eat, and who to look at?
… Image-obsessed social media has exacerbated this issue, from economic displacement to over-tourism leading to serious environmental consequences to eating disorders in young people. I did not intend to photograph people engrossed in their smartphones for Image Cities; that was simply the majority of people I came across in the busy locations I visited to make the work. The same images we see on our phones manifest in physical form in public spaces—but public spaces cannot be turned off.'
In Moskau aufgewachsen, lebt ANASTASIA SAMOYLOVA (*1984) seit 2008 in den USA. In ihrer künstlerischen Arbeit bewegt sie sich zwischen beobachtender Fotografie, Studiopraxis und Installation. Im Jahr 2022 wurde Samoylova in die engere Wahl für den Preis der Deutsche Börse Photography Foundation aufgenommen. Ihre Arbeiten befinden sich u. a. in den Sammlungen des Perez Art Museum, Miami, des High Museum of Art, Atlanta und des Museum of Contemporary Photography, Chicago. Zu ihren veröffentlichten Monografien gehören Floridas (Steidl, 2022) und FloodZone (Steidl, 2019).
Anastasia Samoylova 'Image Cities' (Hatje Cantz)
Texte von: David Campany, Victoria del Val



