Körper, Erde, Feuer, Wasser, Blumen – und die Kamera als Zeugin. Die Tate Modern widmet Ana Mendieta (1948–1985) eine große Ausstellung mit mehr als 120 Arbeiten. Zu sehen sind ihre ikonische Silueta Series, Fotografien und neu restaurierte Filme ebenso wie selten gezeigte Gemälde und Zeichnungen, Skulpturen und neu inszenierte Installationen.

Mendieta löste bereits in den 1970er-Jahren die Grenzen zwischen Körper, Landschaft, Performance, Skulptur, Fotografie und Film auf. Für ihre berühmten „Earth-Body“-Arbeiten brannte, grub und formte sie menschliche Silhouetten direkt in Landschaften, an Stränden und Flussufern – mit Erde, Feuer, Blumen und anderen natürlichen Materialien. Die Arbeiten waren vergänglich, Fotografie und Film wurden zu den Medien, durch die sie weiterleben.

Eng verbunden ist Mendietas Werk mit ihrer eigenen Biografie. In Havanna geboren, kam sie mit nur zwölf Jahren gemeinsam mit ihrer Schwester ins Exil in die USA – getrennt von Eltern, Bruder und Heimat. Vertreibung, Herkunft und Zugehörigkeit ziehen sich entsprechend durch ihre Arbeit. Für Ochún (1981) formte sie am Ufer von Key Biscayne in Florida eine Figur aus Sand und stellte symbolisch eine Verbindung über das Wasser zwischen den USA und Kuba her. Ihre später in Kuba entstandenen Esculturas Rupestres wiederum greifen afro-kubanische Traditionen und die indigene Taíno-Kultur auf.

Gerade für Fotograf und Image Maker bleibt Mendieta faszinierend, weil das Foto bei ihr weit mehr als Dokumentation ist: Die Aktion verschwindet, die Natur holt sich das Werk zurück – das Bild bleibt. Aus temporären Interventionen entstehen durch Fotografie und Film kraftvolle visuelle Ikonen.

Für die Ausstellung lässt die Tate auch einige ihrer vergänglichen Arbeiten wieder entstehen. Ñañigo Burial (1976), eine Silueta aus schwarzen Ritualkerzen, wird während der Laufzeit regelmäßig entzündet. Eine frühe Earth-Body-Installation aus Ästen, Blättern, Erde, Moos und Steinen wird rekonstruiert, zwei ihrer Baumskulpturen führen Mendietas Werk sogar aus dem Museum hinaus in den Außenraum.

Mehr als vier Jahrzehnte nach ihrem Tod wirkt Mendietas Werk erstaunlich gegenwärtig: körperlich, sinnlich, politisch und radikal mit der Natur verbunden – und zugleich durch die Kraft des Bildes bis heute präsent.

ANA MENDIETA

Tate Modern, London

15. Juli 2026 – 17. Januar 2027