Papier ist alltäglich, selbstverständlich – und gleichzeitig einer der ältesten Träger unserer Erinnerungen, Gedanken und Geschichten. In Papyrus macht Jessica Backhaus genau dieses Material zum Ausgangspunkt einer ebenso reduzierten wie sinnlichen fotografischen Arbeit. Das neue Buch bildet nach Cut Outs (2021) und Plein Soleil (2024) den Abschluss ihrer Trilogie zur Abstraktion – und ist zugleich bereits ihre zehnte Publikation im Kehrer Verlag.
In einer Zeit, in der Bilder zunehmend auf Displays erscheinen und Papier langsam aus unserem Alltag verschwindet, richtet Jessica Backhaus den Blick auf dessen ganz unmittelbare Qualitäten: Oberfläche, Farbe, Fragilität, Licht und Schatten. Mit einfachsten Mitteln entstehen Kompositionen, die gerade durch ihre Reduktion eine erstaunliche Präsenz entwickeln.
Der Titel Papyrus schlägt dabei eine schöne Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Schon in der Antike wurden dem fragilen Material Gedanken, Poesie und Wissen anvertraut. Backhaus übersetzt diese Idee in ihre eigene Bildsprache: Farbe wird zum Vokabular, Papier zur Bühne und natürliches Sonnenlicht zum gestalterischen Partner.
„Für diese Serie habe ich mit verschiedenen farbigen Papieren und natürlichem Sonnenlicht als Hauptelemente gearbeitet. Diese Materialien sind bescheiden, flüchtig und direkt“, beschreibt Jessica ihren Prozess. Farbe begreift sie dabei als eine Form des Schreibens – als Möglichkeit, Raum, Zeit und Emotion zu markieren, ohne eine konkrete Geschichte erzählen zu müssen.
Genau darin liegt die besondere Qualität von Papyrus. Backhaus’ Abstraktion entfernt sich nicht von der Wirklichkeit, sondern schärft den Blick für Dinge, die wir allzu leicht übersehen. Eine Linie, eine Papierkante, das Zusammentreffen zweier Farben oder ein Schatten genügen, um eine Stimmung entstehen zu lassen. Die Bilder geben wenig vor – und lassen gerade deshalb viel Raum für eigene Wahrnehmung und Assoziationen.
Als Buch bekommt die Serie noch eine zusätzliche Ebene. Papier wird auf Papier abgebildet, Fotografie trifft auf Materialität – und ausgerechnet das gedruckte Buch wird zum idealen Ort für eine Arbeit über die sinnliche Qualität des Analogen.
Dass Papyrus bereits die zehnte Publikation von Jessica Backhaus im Kehrer Verlag ist, erzählt zugleich von einer außergewöhnlich kontinuierlichen Zusammenarbeit zwischen Fotografin und Verlag. Über viele Jahre und unterschiedliche Werkphasen hinweg sind dort Bücher entstanden, die ihre fotografische Entwicklung begleiten – Papyrus setzt dieser jüngsten Trilogie nun einen ebenso konsequenten wie poetischen Schlusspunkt.
Jessica Backhaus lebt und arbeitet in Berlin und gehört zu den international etablierten Stimmen der zeitgenössischen deutschen Fotografie. Ihre Arbeiten werden weltweit ausgestellt und befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen.
Jessica Backhaus – Papyrus / Exhibitions 2026–27
Im Oktober 2026 eröffnet eine Ausstellung in der Leica Galerie Frankfurt, die bis Februar 2027 zu sehen ist. Zur Paris Photo präsentiert die Robert Morat Galerie Arbeiten von Jessica Backhaus vom 11. bis 15. November 2026. Es folgt die Art Week Luxembourg mit Galerie Anja Knoess vom 19. bis 22. November. Im Januar 2027 ist Backhaus mit der Robert Morat Galerie bei House of Galleries in Frankfurt vertreten. Im Frühjahr 2027 folgt schließlich eine Solo Show in der Robert Morat Galerie in Berlin.