Um die farbenfrohen Aufnahmen des französischen Fotografen Patrick Willocq kommt man in diesem Herbst nicht herum. Die Serie „You cannot pick a stone with one finger“ war Oskar Barnack Award Finalist 2017. Entstanden ist diese bei den Dagomba, einer Ethnie im Norden von Ghana. Dort ließ er sechs prächtige Kulissen errichten, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Dagomba widerspiegeln. Eines ihrer Sprichworte lautet: Man kann einen Stein nicht mit einem Finger heben. Wenn man vorankommen will, muss man zusammenhalten. Die sechs Szenen sollen diese Aussage unterstreichen, die reiche Kultur der Dagomba darstellen und verstehen helfen, wie Geschichte und Tradition das Heute und die Herausforderungen der Zukunft geformt haben.
„Die größte Herausforderung bei meiner Art zu fotografieren, ist der Aufbau der Kulissen. Alles wird von Grund auf unter Verwendung ortstypischer Materialien errichtet – das sind keine Photoshop-Collagen oder -Montagen. Das kostet zwar mehr Zeit und Ressourcen, als es in der Fotografie sonst üblich sein mag, aber die Ergebnisse sind der Mühe wert. Und sei es nur wegen der Erfahrung, die man dabei mit den Menschen macht, denn darum geht es mir: die lokale Kultur zu entziffern und so zu visualisieren, wie es künstlerisch angemessen ist. Das erfordert eine enge Beziehung mit den Menschen.
Für dieses Projekt habe ich Interviews mit dem Ya Naa, dem König der Dagomba, mit  Häuptlingen, Stammesältesten, Musikern, Universitätsdozenten, Islamwissenschaftlern und einem Schamanen geführt. Obwohl die Kultur der Dagomba sehr stark vom Islam beeinflusst ist, glauben viele Angehörige dieser Volksgruppe auch noch an die alten Geister und Götter. Aus dem, was mir diese Menschen berichteten, habe ich sechs ‚Leitbilder‘ entwickelt. Um sicherzustellen, dass sie die ikonografische Welt der Dagomba genau wiedergeben, habe ich die Kulissen gemeinsam mit einheimischen Künstlern und Kunsthandwerkern errichtet. Auf diesen Bühnen konnten die Protagonisten wie Schauspieler agieren,“ so Patrick Willocq.  Die Serie ist aktuell im LEICA Shop in Paris ausgestellt. Dort gab es auch ein Book Signing mit dem Fotografen, der in diesem Jahr ‚Songs of the Walés‘ im Kehrer Verlag veröffentlichte.
Das wichtigste Ereignis im Leben einer Pygmäen-Frau vom Stamm der Ekonda in der Demokratischen Republik Kongo ist die Geburt ihres ersten Kindes. Die junge Mutter wird Walé genannt. Sie lebt mehrere Jahre in Abgeschiedenheit. Bei ihrer berichtet sie von ihren Erfahrungen in Liedern und Tänzen, die sie in einer feierlichen Aufführung darbietet. Als der französische Fotograf Patrick Willocq auf diese Feiern aufmerksam wurde, konstruierte er in einzigartiger Zusammenarbeit mit einigen Walés, ihren Clans, einem Ethno-Musikologen, einem Künstler und zahlreichen Kunsthandwerkern des Waldes aufwändige und surreale Szenenbilder, die von den Gesängen der Mütter der Ekonda inspiriert sind. Mit seiner Arbeit - erschienen als Buch im Kehrer Verlag - will Patrick Willocq (* 1969) den in den Medien verbreiteten Kriegsbildern der Region ein anderes, positives Bild entgegensetzen.
Der 1969 geborene Fotograf hat sich das Handwerk als Autodidakt beigebracht. Willocq hat den größeren Teil seines Lebens außerhalb Frankreichs verbracht, heute ist er in Paris, Hongkong und Kinshasa zu Hause. Mit seiner Serie „I am Walé Respect Me“ war er auch schon 2014 LOBA-Finalist. Mit seiner Arbeit möchte Willocq ein Bild von Afrika zeichnen, das tiefer reicht als jenes, auf das sich die mediale Öffentlichkeit sonst konzentriert. „You cannot pick a stone with one finger“ ist eine Auftragsarbeit für die Noorderlicht Foundation und das African Studies Centre in Leiden, Niederlande.