Unendliche Inspiration wünscht sich jeder Designer. Was die Unendlichkeit an sich aber für die Mode bedeuten kann, hat sich der aufstrebende Newcomer MAX. TAN für seine Spring/Summer 2015 Kollektion zum Thema gemacht. Abstraktes war zu erwarten, aber das Konzept beleuchtet alles Wahrscheinliche und Unmögliche, das Grenzenlose, das Ungebundene und vor allem das Unkonventionelle. Kleidungsstücke ohne klares Ende? Da hat uns ohne Ende die Neugier gepackt. Ein Blick in die "Infinity".
Es gibt keine sichtbaren Säume, dafür viel Volumen. Jedes Teil ist ein Hybrid - irgendwie Mantel, irgendwie Bluse, auch Kleid und Rock - und umspielt den Körper in spannender Variation. Ein Hemdblusenkleid, dass sich auf gewitzten Umwegen zur Jacke umformt, ein Zweiteiler der seine Gestalt fließend in einen Einteiler wandelt. Immer wieder taucht in den Schnittgebilden die typische Kurvensilhouette auf: das Zeichen für Unendlich. Gleichwohl geht es immer noch um Mode und nicht um Kunst oder Skulptur, es ist ein feiner Drahtseilakt.
Tan, dem Designer aus Singapur ist er gelungen. Er selbst sieht sich eher als Bekleidungsingenieur denn als Mode-Designer. Seit der Gründung seines Labels im Jahre 2010 übersetzt er erfolgreich seine asiatische Herkunft in innovative Entwürfe mit abstrakter Konzeptsprache. Wiederkehrend sind seine geometrischen Strukturen und die zurückhaltende Farbwahl, die komplexen Proportionen und die uneitle Nähe zur Avantgarde. Stilfazit: Grace Jones und Comme des Garçons trinken zusammen Cosmopolitans. max-tan.com