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Telekom 'Lift’s you up' Kampagne für Saatchi Germany: Markus Mueller im Interview über Meh-Momente und die Kraft des Dazwischen
PHOTOGRAPHY · 26.02.2026

Telekom 'Lift’s you up' Kampagne für Saatchi Germany: Markus Mueller im Interview über Meh-Momente und die Kraft des Dazwischen

Mit der Kampagne „Lift’s you up“ für das Treueprogramm Magenta Moments rückt die Telekom jene Augenblicke in den Fokus, in denen Situationen kippen – diese typischen „Meh“-Momente, in denen alles nach Frust aussieht. Statt Perfektion zeigt die Arbeit das Dazwischen: gescheiterte Aufbauten, genervte Blicke, kurze Pausen. Genau in diesen unbequemen Zwischenzuständen entstehen Wendepunkte – und Magenta Moments macht sichtbar, wie aus schlechten Momenten neue Möglichkeiten werden.

Fotografiert wurde die Kampagne von Markus Mueller, der mit seinem cineastischen Stil den Fokus auf Atmosphäre, Timing und subtile Komik legt. Die Bildwelt bleibt bewusst nah an den Menschen, lässt Raum für kleine Brüche und leisen Humor – und für genau jene Augenblicke, in denen sich etwas verändert. In unserem Interview spricht Markus über „Meh“-Momente, filmische Verdichtung und die Kraft des Dazwischen.

Du bist bekannt für Deine humorvollen, oft leicht absurden Beobachtungen des Alltags – und genau diese „Meh“-Momente tauchen auch in der Telekom-Kampagne auf. Wie gelingt es Dir, Frust, kleine Niederlagen und genervte Zwischenzustände so zu inszenieren, dass sie gleichzeitig komisch, menschlich und filmisch wirken – und wo liegt für Dich der visuelle Wendepunkt, an dem aus „meh“ plötzlich „lifted“ wird?

Markus: Ich glaube, dass sich viele Menschen in diesen kleinen Frustmomenten wiedererkennen, weil sie Teil unseres Alltags sind. Mich interessiert genau dieser Punkt, bevor oder nachdem etwas passiert – wenn Emotionen ungefiltert sichtbar werden. Der Wendepunkt entsteht visuell meist durch Kontext oder Licht: Plötzlich erkennt man, dass der Moment nicht nur Frust ist, sondern auch Humor und Menschlichkeit enthält. Diese Mischung macht ihn filmisch und zugleich nachvollziehbar.

Viele Deiner Bilder leben vom kurzen Moment vor oder nach dem eigentlichen Ereignis, dem Dazwischen. Ist genau dieses Dazwischen der eigentliche Hauptdarsteller der Kampagne?

Markus: Absolut. Für mich sind genau diese Zwischenzustände die eigentlichen Hero-Momente. Nicht das Offensichtliche interessiert mich, sondern das, was davor oder danach liegt – der Blick, die Geste, der kurze Gedanke. Dort entsteht Persönlichkeit und genau dort beginnt Storytelling.

Regen im Wald, Neonlicht in der Kantine, warmes Wohnzimmerlicht – Du arbeitest stark mit Atmosphäre. Wie entwickelst Du die Lichtdramaturgie für solche emotionalen Kipppunkte?

Markus: Licht ist eines der wichtigsten erzählerischen Mittel überhaupt. Es definiert nicht nur Raum, sondern auch Emotion und Haltung einer Szene. Ich entwickle Licht immer dramaturgisch: Welche Stimmung trägt die Geschichte? Soll sie leicht überhöht wirken oder fast dokumentarisch? Atmosphäre entsteht, wenn Licht nicht nur beleuchtet, sondern eine emotionale Ebene öffnet. Genau diese Präsenz sorgt dafür, dass Bilder im Gedächtnis bleiben.

Deine Bildsprache erinnert oft eher an Filmstills als an klassische Kampagnenmotive. Denkst Du Szenen zuerst narrativ – wie ein Regisseur – oder fotografisch in Einzelbildern?

Markus: Beides gleichzeitig. Ich denke Szenen wie kurze Filmstills – als extrem verdichtete Storyboards. Ein einzelnes Bild muss Idee, Stimmung und Handlung gleichzeitig tragen. Es gibt keinen Schnitt, keinen Dialog, nur einen Moment. Genau diese Reduktion macht das Bild für mich spannend.

In Deinen Arbeiten liegt ein leiser Humor. Glaubst Du, dass sich Markenkommunikation gerade stärker zu dieser stilleren Form von Komik bewegt?

Markus: Ich glaube, leiser Humor ist oft der intelligentere Humor. Die Welt ist laut genug – deshalb fällt Subtilität stärker auf. Kleine Nuancen oder minimale Gesten können mehr erzählen als große Effekte. Marken, die diese Form von Humor zulassen, wirken menschlicher und nahbarer, weil sie nicht versuchen zu schreien, sondern gesehen werden wollen. Das ist eine Art von Präsenz, welche in meinen Augen funktioniert.

Wenn Du diese Kampagne in drei filmischen Begriffen beschreiben müsstest – welche wären das?

Markus: Stille Spannung – absurde Realität – Moment der Leichtigkeit.

Wo endet für Dich Dokumentation und wo beginnt Fiktion?

Markus: Mich interessiert nicht die Grenze zwischen beiden, sondern der Raum dazwischen. Dort können Bilder gleichzeitig konstruiert und emotional wahr wirken – und genau dort entsteht für mich die stärkste Form visuellen Storytellings.

Credits

Client
Deutsche Telekom AG
Produktion
Digitalsinn
Advertising Agency
Saatchi&Saatchi
Creative Director
Michael Lux
Art Director
Felix Pfannmüller, Nele Facklam
Producer
Hakan Cirak
Post Production
TREY
Fotografie
MARKUS MUELLER
Service Production
Chelsy Films

Über MARKUS MUELLER

Wie kaum ein anderer versteht es Markus Mueller, mit visuellen Mitteln Orte zu erschaffen, die vom Betrachter entdeckt werden wollen. Dabei geht es ihm vor allem um Tiefe. Er ist ein Fotograf, der nicht auf offensichtliche Aussagen setzt, sondern auf Assoziationsfreiheit.

Markus Mueller, geboren 1976, stammt ursprünglich aus Dresden. Zur Fotografie fand er über Umwege, denn zunächst führte ihn sein Weg zu den Geisteswissenschaften. Er ist studierter Geschichts- und Politikwissenschaftler, doch neben der Arbeit mit Texten entdeckte er seine Liebe für Bilder. Schließlich ließ er die graue Theorie ganz hinter sich und konzentrierte sich auf die Fotografie. Nach Assistenzen bei verschiedenen Fotografen ging er zum Berliner Lette-Verein, wo er 2003 seinen Abschluss machte. Seitdem lebt und arbeitet Markus Mueller in der deutschen Hauptstadt, die er später auch als Sitz für sein Büro wählte.

Neben seinen künstlerischen Projekten gilt er als Spezialist für Werbefotografie mit Anspruch, und ist ein weltweit gefragter Partner vieler Agenturen und Unternehmen wie zum Beispiel Adidas, Volkswagen, Land Rover, O2, Hornbach, Mercedes-Benz oder Panasonic. Seine Fähigkeiten werden aber nicht nur dort geschätzt. Für seine Arbeiten erhielt er bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter Preise des ADC Deutschland, des ADC Europe, Cannes Lions, der D&AD London, einen Clio Award, einen Epica Award sowie einen WPPED Cream Award.

GoSee : m-mueller.org

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