Mit TEL AVIV hat der MARE Verlag ein high-end Coffeetable Book mit beeindruckenden Aufnahmen des Berliner Fotograf Jan Windszus vor der Pandemie veröffentlicht. Im Kampf gegen das Coronavirus hat Israel lange auf scharfe Einreise-Regeln gesetzt. Da Israels Grenzen ab März wieder für alle Touristen offen sind, stellen wir Euch den Bildband nur allzu gerne hier bei GoSee vor.
Tel Aviv ist wichtiges Zentrum des ultraorthodoxen Judentums und gleichzeitig gayfreundliche Party Hochburg. Die weltoffene Metropole am Mittelmeer ist wie eine Insel im religiösen und politischen Gewirr. Aber ihre Einwohner sind keine selbstvergessenen Partymenschen, sondern Zeugen und Nachfahren weltgeschichtlicher Katastrophen und daher begabt mit einer großen Überlebensfähigkeit und einer unnachahmlichen menschenfreundlichen Ironie.
Jan Windszus, der die Stadt für MARE mehrmals bereiste, fand für diesen Bildband die Schönheiten dieser einzigartigen Stadt im Nahen Osten. Den begleitenden Essay als Liebeserklärung an die Stadt schrieb der Berliner Schriftsteller Marko Martin, ein profunder Kenner der Stadt, die ihm zur zweiten Heimat geworden ist.
Hier ein kleiner Auszug des Autors: 'Ein früher Freitagabend am Strand von Tel Aviv, und wieder einmal scheint alles konzentriert und alles möglich zu sein. Erinnerung und Gegenwart, Nachdenklichkeit und Daseinsjubel. Es ließe sich sagen: Die ganze Welt (oder doch ein beträchtlichtlicher Teil davon) in einer Nussschale. Oder auch: Die volle Dröhnung, the whole package - doch keines von jener Art, das von „all inclusive“-Reiseprogrammen feilgeboten wird oder unter „Geheimtipp“ firmiert, mit dem sich allein selbsternannte „Kenner“ brüsten könnten. Wo hier doch alles auf offener Bühne verhandelt wird, oder besser noch, im Plural: auf den Bühnen dieser Stadt! Vielleicht sollte ja auch eher von Optionen die Rede sein, von Möglichkeiten, die - genau jetzt und welt-einmalig tatsächlich nur hier - zur Verfügung stehen. Denn ob ein Philosoph tatsächlich nicht einmal sein Zimmer verlassen muss, um Entscheidendes zu erkennen, ist so ziemlich Ansichtssache, fest aber steht: Nicht einmal vom ausgebreiteten Badetuch, aus der winzigen Sandkuhle oder vom Beobachterplatz auf einen der winzigen Felsplateaus müsste man sich erheben, um zu schauen und zu hören, um zu erspüren und zu erinnern, was es auf sich hat mit dieser Stadt. Geschichten über Geschichten, bevölkert von Menschen und ihren Biographien....' (Text: Marko Martin)
Jan Windszus, geboren 1976, studierte Grafikdesign mit Schwerpunkt Fotografie an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim. Er lebt und arbeitet als freier Fotograf in Berlin. Sein erster mare-Auftrag führte ihn 2007 nach Kalifornien, seither bereist Jan Windszus für mare die Meere der Welt von der Krim bis nach Hawaii. 2013 erschien sein erster Bildband „Lissabon“ im mareverlag, 2017 folgte „Griechenland“, ausgezeichnet mit dem deutschen Fotobuchpreis 2018.
Tel Aviv, 132 Seiten, ISBN: 978-3-86648-638-6, www.mare.de