Der Paragraf 219a nach Strafgesetzbuch (StGB) verbietet, so wörtlich, „Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft“. Doch der Paragraf beschränkt sich nicht auf Werbung, sondern umfasst nahezu jegliche Art der Information. Konkret heißt das: Ärztinnen und Ärzte dürfen nur öffentlich machen, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Sie dürfen aber nicht öffentlich darüber informieren, wie sie sie durchführen. Sonst machen sie sich strafbar. Im Zweifel droht ihnen eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe.
TERRE DES FEMMES rief deshalb die Kampagne „Streicht Paragraf 219a“ ins Leben und will damit einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung über Schwangerschaftsabbrüche leisten. Das klare Ziel: Paragraf 219a soll aus dem Strafgesetzbuch verschwinden.
„Die Freiheit der Frau geht für uns einher mit der Freiheit ihrer Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch. Mit der neuen Kampagne möchten wir nicht nur erreichen, dass der Paragraf 219a abgeschafft wird, sondern auch allen Frauen einen Zugang zu fachlich gesicherten Informationen über einen Schwangerschaftsabbruch ermöglichen“, sagt Christa Stolle, geschäftsführende Vorständin von TERRE DES FEMMES.
Das „Herz“ der Kampagne ist die Webseite streicht219a.jetzt. Dort bündelt und veröffentlicht TERRES DES FEMMES seit dem 20. April alle wichtigen Informationen rund um das Thema eines Schwangerschaftsabbruchs, die Ärztinnen und Ärzte nach aktuell geltendem Recht nicht veröffentlichen dürfen.
Informationen stehen dort in verschiedenen Formaten zum Download bereit, damit jede/r sie an betroffene Frauen und Interessierte zum Beispiel über Social-Media-Kanäle weitergeben kann. Emotionale Funkspots und virale Filme, in denen fachfremde Laien wie der Berliner Gastronom Billy Wagner (Nobelhart & Schmutzig), die Moderatorin Melissa Khalaj (aktuell „The Voice Kids“), der Schauspieler Max Koch (Helen Dorn) oder der KfZ-Mechatroniker Patrick Schirmer wertvolle Informationen über den Schwangerschaftsabbruch teilen, unterstützen die Kampagne und zeigen dadurch, wie irrsinnig der frauenfeindliche Paragraf 219a ist. Die Spots heben dabei das Absurde hervor: Alle fachfremden Personen dürfen Informationen teilen – viele Ärztinnen und Ärzte nicht.
Idee und kreative Umsetzung der Kampagnenbestandteile stammen von Grey Hamburg, die Entwicklung der Kampagnenmechanik sowie die Verbreitung des Kampagnenappells durch PR und Social Influencer erfolgte in Zusammenarbeit mit den Agenturen achtung! und achtung!Alive.
Die Spots wurden von Tempomedia Filmproduktion unter der Regie von Sergej Moya produziert, die Post übernahm Deli Pictures. Auftakt der Kampagne war die Schaltung der Funk-Spots Ende Januar. Die Funkspots arbeiten mit der gleichen kreativen Leitidee wie die Filme und gewannen bereits Silber beim diesjährigen Radio Advertising Award. Produziert wurden diese von German Wahnsinn.
Kerstin Correll (ECD Grey Hamburg) verdeutlicht, warum aus einer ersten kreativen Leitidee eine so umfassende und aktivierende Kampagne entstanden ist: „Es ist absolut absurd, dass der Zugang auf Experteninformation durch ein völlig veraltetes Gesetz aus den dunkelsten Zeiten unseres Landes immer noch erschwert wird. TERRE DES FEMMES möchte aktiv zur Abschaffung des Paragrafen 219a beitragen und informieren. Deshalb darf sich unsere Kampagne nicht mit einem schlichten Appell zufrieden geben. Jeder einzelne Kampagnenbestandteil ist getrieben von einer klaren Handlungsaufforderung. Jeder, wirklich jeder soll sich anschließen können, damit aus einer kreativen Kampagne eine echte Bewegung wird.“ Genau diese Handlungsaufforderung wird mit Hilfe des Partners achtung! durch aktivierende PR-Maßnahmen und Aktivierung von Influencern breit wirksam kommuniziert.
Prominente Unterstützerin der Kampagne ist die Allgemeinmedizinerin Kristina Hänel. Die 64-Jährige war selbst von den schwerwiegenden Folgen des Paragrafen betroffen: Sie wurde trotz Revision vom Oberlandesgericht Frankfurt rechtskräftig verurteilt, weil sie auf ihrer Webseite über das Vorgehen bei Schwangerschaftsabbrüchen informierte. Kurz darauf legte sie eine Verfassungsbeschwerde ein. Ihr Fall liegt nun dem Verfassungsgericht in Karlsruhe vor.
Den Kampf vor Gericht trägt Kristina Hänel dabei mit einem Appell in die Öffentlichkeit: „Ich finde es wichtig, dass jede und jeder, die/der die Möglichkeit hat, über Schwangerschaftsabbrüche berichtet und aufklärt. Oft befinden sich Frauen, die darüber nachdenken, in einer emotionalen Notsituation. Für sie wäre der Zugang zu verlässlichen Informationen enorm wichtig.“
Alle Hintergründe, das aktuelle Kampagnenmaterial auch zum Download für Social Ambassadors sowie die Links zu den Filmen und Funkspots findest Du online. GoSee : streicht219a.jetzt
About -  TERRE DES FEMMES, Menschenrechte für die Frau e.V. ist eine gemeinnützige Menschenrechtsorganisation, die sich für ein selbstbestbestimmtes, gleichberechtigtes und freies Leben für Mädchen und Frauen weltweit einsetzt. Durch öffentlichkeitswirksame Aktionen, Publikationen, Veranstaltungen, Kampagnen und Lobbyarbeit sensibilisiert TERRE DES FEMMES die Öffentlichkeit und Politik für geschlechtsbedingte Gewalt und Diskriminierung.TERRE DES FEMMES wurde 1981 gegründet und finanziert sich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse. Die Bundesgeschäftsstelle ist in Berlin ansässig. GoSee : frauenrechte.de