Ein übergroßes Gesicht. Knallroter Lippenstift. Direkt in die Kamera. Das Key Visual der BOZAR-Ausstellung 'Picture Perfect' stammt aus Pipilotti Rists ikonischer Videoarbeit Be Nice To Me (Flatten 04) (2000) – und bringt das Thema der Ausstellung bereits auf den Punkt: Schönheit ist keine Konstante. Sie ist Konstruktion, Projektionsfläche und Machtinstrument zugleich.
Mit 65 internationalen Künstlern aus unterschiedlichen Generationen und kulturellen Kontexten widmet sich das BOZAR – Centre for Fine Arts in Brüssel der Frage, wie Fotografie und bewegte Bilder unser Verständnis von Schönheit geprägt haben – und bis heute prägen. Die von Christel Tsilibaris kuratierte Ausstellung versammelt Fotografien und Videoarbeiten aus den 1960er-Jahren bis heute und untersucht, wie bildbasierte Medien westliche Schönheitsideale geschaffen, verbreitet und schließlich auch dekonstruiert haben.
Dabei versteht sich 'Picture Perfect' nicht nur als kritische Bestandsaufnahme, sondern ebenso als Einladung, Schönheit neu zu denken – als Ausdruck von Vielfalt, Individualität und Menschlichkeit. Schönheit erscheint hier nicht als normiertes Ideal, sondern als offener Raum unterschiedlichster Perspektiven und Identitäten.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht nicht allein das Thema Schönheit, sondern die Fotografie selbst. Kaum ein Medium hat Schönheitsideale über Jahrzehnte hinweg so nachhaltig geprägt wie das fotografische Bild. Gleichzeitig ist es genau dieses Medium, das Künstlerinnen und Künstler seit Jahrzehnten nutzen, um stereotype Rollenbilder, Körperideale und gesellschaftliche Normen sichtbar zu machen, zu hinterfragen und neu zu definieren.
Die Ausstellung gliedert sich in die beiden Kapitel 'Deconstruction' und 'Recuperation'. Während der erste Teil tradierte Schönheitsnormen dekonstruiert, zeigt der zweite, wie Künstlerinnen und Künstler den Begriff Schönheit neu besetzen und als Ausdruck von Selbstbestimmung, Diversität und Empowerment zurückerobern.
Zu den vertretenen Positionen zählen unter anderem Valérie Belin, Kwame Brathwaite, Juno Calypso, Rineke Dijkstra, Sylvie Fleury, Ana Mendieta, Zanele Muholi, ORLAN, Frida Orupabo, Pipilotti Rist, Cindy Sherman, Marianna Simnett, Sin Wai Kin, Hank Willis Thomas und Garry Winogrand – ergänzt durch zahlreiche weitere internationale Künstler, deren Arbeiten die Vielschichtigkeit fotografischer Bildproduktion eindrucksvoll widerspiegeln.
Auch die internationale Presse zeigt sich begeistert. Die New York Times beschreibt Picture Perfect als Ausstellung, die heutige Vorstellungen körperlicher Schönheit anhand von Fotografien und Videos aus mehr als sechs Jahrzehnten neu beleuchtet. De Standaard bringt ihre Einschätzung mit den Worten „All killer, no filler“ auf den Punkt und lobt die konsequente Auseinandersetzung mit mehr als fünfzig Jahren westlicher Schönheitsideale.
Kuratorin Christel Tsilibaris möchte den Blick auf Schönheit bewusst öffnen. Schönheit sei niemals nur Ideal oder Norm, sondern könne gleichermaßen emanzipieren wie einschränken. Genau diese Ambivalenz macht 'Picture Perfect. Beauty through a Contemporary Lens' auf eindrucksvolle Weise sichtbar.
Mehr über die Ausstellung gibt es direkt bei BOZAR.