Mit Christian Schmidt begrüßen wir einen international gefragten Fotografen auf GoSee, der weltweit Kampagnen für große Automarken realisiert und dabei konsequent die Grenzen zwischen kommerzieller Fotografie und Fine Art verschiebt.
Zuletzt überzeugte er mit der ausgezeichneten Kampagne “There is always a road” für ENTERPRISE MOBILITY, entwickelt von BBDO New York. Für diese wurde er als Fotograf gewählt – nicht zuletzt wegen seiner besonderen Stärke, Transportation, Landschaft und künstlerischen Anspruch miteinander zu verbinden.
Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine klare visuelle Sprache aus, in der Fine Art stets mitschwingt – auch im kommerziellen Kontext. Gleichzeitig zeigt sich Christian offen für neue Entwicklungen und Technologien: Aktuell setzt er sich intensiv mit AI-gestützten Workflows auseinander und entwickelt Bildwelten, die Transportation, People, Landscape und Kunst miteinander verschmelzen. Ein weiterer Fokus liegt auf hochauflösenden 8K-Umsetzungen, die bei internationalen Kunden auf große Resonanz stossen.
Wir stellen Euch seine aktuelle Arbeit 'Echoes From Tomorrow' sowie Christian Schmidt im Gespräch auf GoSee vor.
Du arbeitest aktuell intensiv mit AI und hast eine neue Transportation-Präsentationsstrecke mit Autos, Menschen und Landschaften entwickelt, die komplett in 8K umgesetzt wurde. Was reizt dich an diesem neuen Arbeitsprozess – und wie verändert AI deine visuelle Sprache als Fotograf?
Christian: In meiner Arbeit kreiere ich Bilder schon von Anfang an. Postproduktion und das bewusste Verändern von Bildern begleiten mich, seit ich fotografiere. Angefangen habe ich mit 16 – damals noch in der analogen Dunkelkammer. Im Kern geht es mir immer um ein Gefühl – und darum, dieses Gefühl zu erschaffen.
An AI reizt mich, dass es ein extrem mächtiges Werkzeug ist. Man wird komplett auf sich selbst zurückgeworfen, weil am Ende nur das entsteht, was man hineingibt – und im Prozess bewertet. Viele klassische Produktionsschritte fallen weg. Gleichzeitig zwingt dich AI dazu, dir permanent die Frage zu stellen: Was will ich wirklich sehen?
Im Prozess wird man zu einer Art fotografischem Maler – man erschafft die Welt, wie man sie sehen möchte. Nicht mit Pinsel, sondern mit Worten, Referenzen, vielen Photoshop Zwischensteps und Iterationen, bis es sich richtig anfühlt.
Die Serie verbindet klassische Automotive-Motive mit Landschaft und inszenierten Situationen. Inwiefern unterscheidet sich diese AI-basierte Arbeit von deinen bisherigen Produktionen – und welche neuen Bildwelten möchtest du damit für Transportation-Kampagnen eröffnen?
Christian: Am Anfang steht für mich immer eine Geschichte: Casting, Styling, Landschaft und eine grundlegende Bildwelt. Der Unterschied liegt im Prozess. Es ist ein intensives Ausprobieren – ein Annähern in vielen Schritten. Oft wie ein Ping-Pong zwischen verschiedenen Tools.
In den letzten Monaten habe ich stark an meinen AI-Skills gearbeitet. Ich hatte das Glück, dass mich ein Kunde sehr in dieses Thema gepusht hat. Dabei wurde schnell klar, dass wir Bildwelten erschaffen können, die fotografisch oder filmisch nur mit enormem Aufwand möglich wären. Es gibt kaum noch Limits – außer die eigenen. Gleichzeitig ist man stärker gefordert, weil jede Entscheidung direkt im Ergebnis sichtbar wird. Obwohl die Bilder künstlich erzeugt sind, wirken sie oft realer als klassische CGI. Und der Entstehungsprozess fühlt sich spielerischer an.
Für diese Serie war mir wichtig, alle Motive in 8K zu entwickeln. Das Hochrechnen ist ein zentraler Teil des Workflows. Ich bin überzeugt, dass viele kommerzielle Bildwelten künftig über AI entstehen werden. Für mich bleibt AI aber vor allem eines: ein Werkzeug, das mir neue Möglichkeiten gibt, Bilder zu erschaffen.
In deinem Projekt „Nimbus“ fotografierst du Wolken wie abstrakte Landschaftsgemälde. Was fasziniert dich an diesem Motiv?
Christian: Das Thema Wolken begeistert mich fotografisch schon lange. Zu Beginn habe ich noch kleine Flugzeuge gemietet, um möglichst nah an die Wolkenformationen heranzukommen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass die enorme Dimension der Wolken auch vom Boden aus genauso wirkt. Wolken haben für mich eine unglaubliche Tiefe und Lebendigkeit. Sie spiegeln das Leben wider: Jeder Moment ist flüchtig und nichts bleibt gleich. Wolken existieren immer nur in genau dieser einen Form - und sind im nächsten Augenblick schon wieder eine andere. Sie stehen für den Kreislauf von Entstehen und Vergehen, von Kommen und Gehen.
Beim Fotografieren tauche ich in eine eigene Welt ein. Es hat etwas Meditatives – und gleichzeitig ein starkes Bewusstsein für den Moment.