Maximilian Prüfer (*1986) erforscht die Folgen der Umweltzerstörung für die chinesische Landwirtschaft. Zu diesem Zweck besuchte er zweimal die Provinz Sichuan, wo die Bestäubung von Obstbäumen – aufgrund eines durch erhöhten Pestizideinsatzes verursachten Insektensterbens – einzig durch Menschenhand erfolgt.
Eine von Mao Zedong (1893–1976) 1958 initiierte politische Kampagne zur Ausrottung der vier Plagen (Ratten, Fliegen, Stechmücken und Spatzen) während des „Großen Sprungs nach vorn“ führte u.a. zu einem ökologischen Ungleichgewicht der Natur, in Folge dessen Millionen Menschen den Hungertod fanden.
Der an Evolution, Philosophie und Gesellschaft interessierte Konzeptkünstler dokumentierte den gesamten Prozess der manuellen Bestäubung durch Fotos, gesammelte Objekte und Filme – eine ambivalente Auseinandersetzung mit der kulturellen Entwicklung der Menschheit.
In der Inszenierung einer einzelnen Frucht, nämlich der Birne, verweist der Künstler auf eine weitere politische Kampagne Maos von 1968, die der Heroisierung der Mango galt. Diese exotischen Früchte erhielt Mao vom pakistanischen Außenminister zum Geschenk. Mao übergab die Mangos den Arbeiter- und Bauernpropagandatruppen, die ihn in seinen politischen Ideen unterstützt hatten. Fortan symbolisierten Mangos Maos Fürsorge und Güte und wurden vielfach in unterschiedlichen Materialien reproduziert.
Das Weltmuseum Wien präsentiert mit 'Fruits of Labour' den deutschen Künstler Maximilian Prüfer, der sich in seinen performativen Arbeiten mit menschlichen Eingriffen in die Natur im Zeitalter des Anthropozäns auseinandersetzt und auf deren globale Folgen hinweist. Ein Bildband erschien parallel im Kerber Verlag.
Das Museum über die Ausstellung : 'Doch auch in Europa und Österreich muss uns das Verschwinden von bestäubenden Insektenarten und der Rückgang der Biodiversität nachdenklich stimmen. Die ausgestellten Wildbienenpräparate aus der Sammlung des Naturhistorischen Museums sind ein Beleg für in Österreich bereits ausgestorbene Wildbienenarten.
Wir Menschen sind für Landschaftszerstörung, exzessive Bebauung, Monokulturen, den Einsatz von Spritzmitteln sowie für Klimaveränderungen verantwortlich. Die Ausstellung soll anregen und uns zum Nachdenken bewegen, umsichtig mit dem fragilen Ökosystem, in dem wir leben, umzugehen.'
Die Ausstellung wurde von Maximilian Prüfer und Bettina Zorn, Kuratorin der Sammlung Ostasien: China, Korea, Japan, kuratiert. Gerhard Veigel hat die Schau gestaltet.
Maximilian Prüfer was born in Weilheim in 1986. He studied Design and Communication Strategy in Augsburg and Art in Bologna. In his work, Prüfer is primarily concerned with the exploration of natural processes and their transfer into visual media. In doing so, he explores existential, philosophical and political themes in relation to evolution and the manipulation of the ecosystem by humans. Particularly characteristic of his artistic practice is the recording of animal traces, which he calls nature antipodes. In doing so, the artist explores forms of collective intelligence of animals such as snails, ants and bees, and the relationship to society and human instinct.
Ausstellung : Fruits of Labour, 18.5.2023–10.4.2024, Weltmuseum Wien