Im Jahr 1956 brach die Journalistin und Fotografin Milli Bau auf, die Länder der Seidenstraße mit einem als fahrendes Haus umgebauten VW T1 Bus zu erkunden. Erst 1974 kehrte sie nach längeren Aufenthalten in Iran und China nach Deutschland zurück, im Gepäck unzählige Texte, Objekte - und mehr als sagenhafte 15 000 Fotografien.
Ihre Reise hatte folgenden, unglaublichen Verlauf: Per Schiffspassage von Hamburg startete sie am 1. Januar 1956 ihre Reise nach Beirut (Libanon). Entlang des alten Landweges „erfuhr“ sie die Seidenstraße bis nach Xian (China). Sie bereiste Syrien, Jordanien, den Irak, Iran, Pakistan, Afghanistan, Usbekistan, Aserbaidschan, Bangladesch, Indien und Nepal bis nach China. An vielen Orten hielt sie sich länger auf, andere streifte sie nur.
Zu alldem gibt es Fotografien, die sie mit einer doppeläugigen Rolleiflex aufnahm. Die Kamera vor den Bauch gehalten, begegnete sie den Portraitierten mit unmittelbarer Nähe. Dieses „Nahe-Heranrücken“ und diese besondere Unmittelbarkeit zeichnen ihre Fotografien aus. Tagebuchnotizen und journalistische und politische Berichte zu den Stationen ihrer Reise geben ein umfassendes Bild ihres Unternehmens. Die Publikation ist ein zeithistorisches Dokument einer reisenden Journalistin, die in den 1950er-Jahren Deutschland verließ und sich in der Welt wiederfand.
Chronologisch aufgebaut, entlang ihrer Reiseroute bilden die Fotografien ein umfangreiches Bildwerk über die Regionen der Seidenstraße in der Zeit zwischen 1956 bis 1974. Fast 20 Jahre Kultur- und Zeitgeschichte sind in diesen Bildern zu sehen; politische und gesellschaftliche Veränderungen werden in ihnen festgehalten und dokumentiert. Auszüge ihrer eigenen Texte begleiten dieses Bildwerk und stellen es in einen zeithistorischen Zusammenhang. Milli Bau ist ein außergewöhnliches Beispiel für ein Frauenleben, das nicht in Vergessenheit geraten sollte.