Ab dem 1. September 1729 hält Nicolas Ruinart in seinem „Grand Livre“ die Errungenschaften des Hauses fest. Der Anfang des Textes ist in großer, runder Schrift verfasst und lautet: „Dieses Buch möge im Namen Gottes und der Heiligen Mutter Gottes beginnen.“ Damit stellte der Textilkaufmann sein neues Unternehmen unter göttlichen Schutz wie auch unter den seines Onkels Dom Thierry Ruinart, eines Benediktinermönchs mit kühnen, innovativen Ideen. Beim Durchblättern des Buches erfährt man etwas über den Zeitpunkt und die Bedingungen beim Versand der ersten Weinflaschen. Weiter sind Einzelheiten über den Erwerb von Weinbergparzellen und die Menge der ersten Traubenlieferungen festgehalten.
Im April 1739, so kann man lesen, wurde erstmals Champagner von Ruinart in das Nachbarland Belgien verschickt. Dieses kostbare Buch ist folglich ein wahrer Schatz in der Geschichte des Hauses Ruinart. Es öffnet sich nun der Interpretation von Georgia Russell, deren für Printprodukte aller Art gefährlich-zerstörerische Kreativität durch das Unikat mehr als geweckt wurde.
Nachdem die Absolventin des Londoner Royal College of Art bei einem Wettbewerb einen Aufenthalt in einer Künstlerwohnung in Paris gewonnen hatte, wurden für sie die Erkundungsstreifzüge durch die französische Hauptstadt Quelle der Inspiration. Ihre Spaziergänge führten sie unter anderem zu den Buchhändlern am Ufer der Seine. Sie war fasziniert von den alten Fotografien und Büchern und erstand mehrere Exemplare – zum einen, um ihr Französisch zu verbessern, zum anderen, um die Druckwerke in ihrer Form zu verändern, sie zu berühren, in den Händen zu halten, zu zerschneiden und zu kleben. Wie wir Euch bereits auf GoSee in ihrem "Hello GoSee!" berichteten.
"Verblüffend ... grandios ... fantastisch" – mit diesen Adjektiven beschrieb Georgia Russell ihre Gefühle, als sie die Kreidekeller des Hauses Ruinart besuchte. Die großartigen Kalkkathedralen, von denen die ältesten noch aus der Römerzeit stammen, eignen sich hervorragend für die Reifung von Champagner. Einst wurden sie von Hand aus dem Fels gehauen, als man Baumaterial für die Festungsanlagen von Reims sowie für kirchliche Gebäude benötigte – heute werden sie von Besuchern bewundert. Insgesamt acht Kilometer Länge hat das Netzwerk aus Gängen, von denen die größten eine Höhe von 38 Metern erreichen. Die Künstlerin fing die Lichtspiele an den behauenen weißen Wänden ein, deren unzählige Kerben und Narben von harter Arbeit und Vergänglichkeit künden.
Und als Essenz aus der Begegnung verfeinerte Georgia Russell die Blanc de Blancs Flasche aus dem Hause Ruinart mit einer makellosen weißen Hülle. Die vielen mit Fingerspitzengefühl ausgearbeiteten, präzisen Einschnitte spielen virtuos mit dem Leuchten des Champagners, das von der Chardonnay-Traube kommt, dem Symbol des Hauses Ruinart. Der Vergrößerungseffekt vervielfacht den goldenen Glanz. So wie die weißen Kreide-Kathedralen beim Reifeprozess als Hüter des Ruinart-Champagners dienen, so legt sich die elegante Hülle schützend um die Flaschen.
Das Haus Ruinart wurde 1729 während des Zeitalters der Aufklärung gegründet. So ist es nur natürlich, dass das älteste Champagnerhaus die französische Kunst des Lebens verkörpert, pflegt und in die Welt trägt. Durch die Beteiligung an führenden Ausstellungen und die Vergabe von Aufträgen an bekannte Künstler, die die Vision des Hauses interpretieren, bringt Ruinart sein Bekenntnis zur Kunst zum Ausdruck und teilt sein Vermächtnis, seine Geschichte, seine Kellerkunst und seine Cuvées mit der Welt. Prost ruinart.com