Marco Lemcke, Creative Director Art bei Anomaly Berlin hat zusammen mit seinen Kollegen Sebastian Lyman (ECD), Henrik Edelbring (GCD) und Elizabeth Asselin (Business Director) die Kampagne für das neue Vorzeigemodell von ASTON MARTIN, den Vanquish, entwickelt. Sie wurde am 02.09. bei den Filmfestspielen in Venedig vorgestellt - ein Moment, auf den das Team richtig stolz war, so der Kreative zu GoSee. Wir stellen Euch den Kreativen und die Kampagne auf GoSee vor.
Was war die zentrale Idee hinter der Launch Kampagne „Veni. Vidi. Vanquish."?
Die Idee hinter der „Veni. Vidi. Vanquish.“-Kampagne entstand aus der Notwendigkeit, aus der üblichen, vorhersehbaren Luxusauto-Werbung auszubrechen. Was den Vanquish so besonders macht, ist sein atemberaubendes Design und das unvergleichliche V12-Fahrerlebnis, das dir buchstäblich die Haare im Nacken aufstellen lässt.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, den Vanquish in eine „gottähnliche“ Position zu erheben?
Genau deshalb wollten wir den Vanquish nicht nur als weiteres „Supercar“, sondern als etwas Größeres darstellen – als ein kulturelles Symbol für Luxus und ein Kunstwerk, das sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft prägt. In unseren Augen verkörpert er eine neue Definition von Power und gott-gleicher Überlegenheit, die alles zuvor Dagewesene übertrifft – und genau das wollten wir visuell rüberbringen.
Die Kampagne kombiniert avantgardistischen Futurismus mit antiker Architektur. Was hat euch dazu inspiriert, diese Elemente miteinander zu verbinden?
Es war uns wichtig, einen Raum zu schaffen, in dem der Vanquish nicht nur als Auto, sondern als Kunstwerk wahrgenommen wird. Wir wollten eine Umgebung gestalten, die vertraut und gleichzeitig futuristisch wirkt. Die Landschaft, eine surreale Version der englischen Hügellandschaft, ist grasbewachsen, aber in neutralen Tönen gehalten und in sanftes Zenith-Blau getaucht, um das leuchtende Supernova-Rot der Karosserie besonders eindrucksvoll hervorzuheben. Antike Architektur mit Säulen und monumentalen Strukturen verkörpert Stärke, Beständigkeit und göttliche Macht, während Glas, Spiegel und abstrakte Elemente diesen Eindruck durch futuristische Innovation ergänzen. Durch das Podest in den Key Visuals konnten wir den Vanquish aus überraschenden Blickwinkeln zeigen und seine unverkennbare Präsenz und Dominanz eindrucksvoll betonen.
Könntest du uns mehr über die „Tableaus of Triumph“ erzählen?
Die „Tableaus of Triumph“ waren ein zentrales Element der Kampagne, um den Vanquish auf künstlerische Weise in Szene zu setzen. Inspiriert von zeitgenössischen Künstlern wie Frederik Heyman, oder Theaterregisseur Robert Wilson, haben wir versucht, alle wichtigen Aspekte des Fahrzeugs – seine beeindruckende Motorleistung, die individuelle Anpassbarkeit und 111 Jahre Aston Martin-Geschichte – in einzelnen, kraftvollen Bildern darzustellen.
Wie Victor Burgin es ausdrückt: „Ein Tableau ist ein Bild, das die Essenz eines Ereignisses einfängt, das sonst viele Worte erfordern würde.“ Oft unterschätzt Werbung ihr Publikum, aber uns war es wichtig, den Zuschauern Raum für eigene Interpretationen zu lassen. Vielleicht fragt man sich bei manchen Szenen: „Was soll das eigentlich?“ – aber genau das ist der Punkt. Es geht darum, am Ende zu spüren, dass der Vanquish etwas ganz Besonderes ist, das man nicht in Worte fassen kann.
Wie war die Zusammenarbeit zwischen den Teams (CGI, Film, Fotografie), um das eindrucksvolle Ergebnis zu erzielen?
Wie bei jeder großartigen Fahrt hatte natürlich auch unsere Reise ihre Twists und Turns. Von Anfang an war klar, dass wir eine einheitliche Vision brauchen – gerade bei einer so visuellen Kampagne, wo jeder erst mal was anderes im Kopf hat. Tag für Tag haben sich Regisseur Felix Aaron, Fotograf Steve Harries und das Kreativteam um Lina Rode, Fabiot von Falkenhayn und Niclas Moos immer wieder ausgetauscht, Tausende Moods geteilt und jede Idee immer wieder aufs Neue durchdacht und optimiert, um die Filme und Stills weiter zu pushen. Diese enge Zusammenarbeit spürt man, finde ich, in jeder Szene.
Was war denn die größte Herausforderung bei der Entwicklung und Produktion der Kampagne?
Die größte Herausforderung bei dieser Kampagne war, die Vielzahl an visuellen Elementen auf höchstem Niveau zu vereinen und dabei unsere Vision konsequent umzusetzen – trotz der üblichen begrenzten Zeit und Ressourcen, an die sich unsere Branche längst gewöhnt hat.
Eine Welt zu erschaffen, die sowohl vertraut als auch neu und surreal wirkt, und diese harmonisch zu verbinden – von der Landschaft über die Architektur bis hin zur Inszenierung des Vanquish – war für alle Beteiligten eine große Herausforderung. Wir mussten oft kreativ werden und uns auf gegenseitiges Vertrauen verlassen. Ich bin allen so dankbar, die so viel mehr gegeben haben, als nötig gewesen wäre, um unsere Vision wirklich zum Leben zu erwecken.
Inwiefern spiegelt diese Kampagne die zukünftige Ausrichtung der Marke Aston Martin wider?
Klar, die Kampagne zeigt mit ihrem „otherworldly“ Look und dem künstlerischen Tableau-Ansatz, dass Aston Martin bereit ist, mutige Statements zu setzen, die sich deutlich von klassischen Autokampagnen abheben. Das heißt aber nicht, dass künftig jede Kampagne so aussehen muss. Marken – genauso wie ihre Konsumenten – sind vielschichtig, und es wird immer Raum für verschiedene konzeptionelle oder visuelle Ansätze geben.
Was aber klar ist: In 2024 kommen wir nicht mehr weit, wenn wir weiterhin den Klischee-Traum von der „endlosen, kurvigen Landstraße entlang der französischen Riviera“ verkaufen wollen, um Luxusautos zu bewerben. Konsumenten erwarten mehr. Es geht darum, außergewöhnliche und mutige Ideen zu entwickeln, die nicht nur einzigartig sind und im Gedächtnis bleiben.
Wie bist Du zu Anomaly gekommen und was ist das tolle an Deinem Job?
Vor Anomaly war ich acht Jahre in London als Art Director tätig, mal in kleinen kreativen Agenturen, mal in großen Netzwerkagenturen. Nach einem kurzen Stop in Peking für Serviceplan und BMW kam ich 2017 nach Berlin, um bei DDB auf Volkswagen meine Erfahrung im Automobilbereich weiter auszubauen. 2021 war es für mich Zeit für etwas Neues, und ich bin zu Anomaly gewechselt, wo ich an unterschiedlichsten Projekten arbeiten konnte – und nun meine Erfahrung an Aston Martin weitergeben kann.
Es mag vielleicht cheesy klingen, aber was ich an meinem Job und dieser Branche immer geliebt habe, ist die Möglichkeit, meine Leidenschaft für Design, Storytelling und Popkultur so zu verbinden, dass Marken eine eigene Persönlichkeit entwickeln, in die sich Menschen unbewusst verlieben können. Ich glaube, bei Aston Martin sind wir auf einem guten Weg dahin… 🙂
Viele weitere spannedne Kampagnen und Projekte findet Ihr auf marcolemcke.de