Wem die Fotobücher der letzten Monate vielleicht zu lieb zu bieder waren, der sollte auf seinem Coffeetable Platz machen für 'FALLING ON BLADES' von Mihai Barabancea. Ein herrlich provokanter Bildband mit tiefen Einblicken in die ungeschönte Realität erwartet den Leser, der gleichzeitig zum Voyeur und ein klen wenig zum Mittäer wird...
Werfen wir zuerst einen Blick auf den Titel. Blade bezeichnet eine selbstgebastelte Waffe aus dem, was im Gefängnis zur Verfügung steht. 'Unbeabsichtigt dreizehnmal auf eine Klinge zu fallen,' ist eine poetisch-sarkastische Art zu sagen, dass man Opfer einer Messerstecherei wurde. 'Dies endet nicht immer tödlich, aber ist immer schmerzhaft. Dennoch muss man weitermachen, sich den Gegebenheiten anpassen. Diese Schmerzresistenz und Anpassungsfähigkeit haben auch die Charaktere, die ich fotografiere – Roma, Bettler, Gauner, Lebenskünstler, Bettelmusiker, lichtscheue Geschöpfe in Rumänien und Moldawien.'
Mihai Barabancea (*1983, Bukarest) ist ein rumänischer Fotograf aus Leidenschaft und sorgte in den späten Neunzigerjahren als Teil einer Graffiti-Gang für Furore im rumänischen Fernsehen. 2018 gewann er den Gomma Prix Award für seinen Werkzyklus Overriding Sequence. Er lebt und arbeitet in Bukarest.
Der Fotograf weiter : 'Es ist mir wichtig, das post-kommunistische Rumänien mit allen Problemen nicht voyeuristisch auszuschlachten. Ich agiere nicht als teilnahmsloser Beobachter, sondern versuche mehr und mehr, diesen Menschen die Freiheit zu geben, sich selbst vor der Kamera darzustellen. Da-durch treiben sie die nötige Änderung sozialer Stereotype, die ihnen immer noch anhaften, selbst mit voran.'
Die Kamera dient Barabancea dabei als Werkzeug der Interaktion zwischen Fotograf und Porträtierten. Doch statt schön inszenierter Bilder sucht sein Blick das Unmittelbare und die Fotografien, die daraus entstehen, bestechen durch ihre erbarmungslose Rohheit und Schärfe.
Der Schweizer Verlag Edition Patrick Frey zeigt auf knapp 300 Seiten 144 Bilder aus der Welt des Fotografen. Titel, Einband und die Kanten der Buchseiten sind Silber lackiert und wirken scharfkantig wie die eingangs erwähnten Blades. Nichts für schwache Nerven, aber defintiv ein packender Band Foto-Realismus aus Osteuropa.