Wir alle kennen die atemberaubend schönen Landschaftsaufnahmen unberührter norwegischer Natur. Wenn der Mensch eingreift, kann es mitunter hässlich werden, unnatürlich und zerstörerisch. Wie der Mensch aber moderne Konstruktionen mit der Natur in Einklang bringen kann, zeigt uns der Berliner Fotograf Ken Schluchtmann in seinem neuen Bildband 'Architektur und Landschaft in Norwegen', der im Hatje Cantz Verlag erschienen ist. Ein ziemlich unspektakulärer Titel für spektakuläre Einblicke in eine überirdisch schöne Welt.
Als freies Projekt startete Schluchtmann seine Foto-Reise und legte mehr als 20.000 Kilometer zurück, immer entlang der Nationalstraßen Norwegens, auf denen im Auftrag der Regierung in den letzten Jahren imposante Bauten entstanden sind: die Wildbeobachtungsstation im Dovre-Nationalpark des Architektenteams Snøhetta, die Aussichtsterrassen an den Trollstigen von Reiulf Ramstads oder das Steilneset Memorial von Peter Zumthor und Louise Bourgeois, das der Hexenver­brennungen von Vardø gedenkt - um nur einige zu nennen.
Das magische an den Bildern ist zudem, dass sie passend zum Thema natürlich aufgenommen wurden, ohne zusätzliches künstliches Licht. Zur melancholischen Stimmung trugen so nur Dämmerung und bedeckter Himmel bei. Typisch auch für die Bildsprache des Berliner Fotografen. Ken Schluchtmann (* 1970) arbeitet unverwechselbar klar und kühl, und sinnlich zugleich. Auf dem World Architecture Festival in Singapur wurde er für seinen Stil 2012 und 2013 mit der Auszeichnung als Architekturfotograf des Jahres belohnt.
Ken Schluchtmann - National Routes of Norway . Architektur und Landschaft in Norwegen . 160 Seiten, 100 Abbildungen, ca. € 68. hatjecantz.de