Darius Ramazani is a Berlin based photographer & director with a focus on portrait, people, advertising and social campaigning.
„Unser Blick fällt ja auf alles. Für eine Nanosekunde zumindest. Ruhen bleibt er aber auf dem Besonderen. Dem Schönen und Echten. Hier bleibt er wohlwollend liegen. Das Schöne möchten wir haben, das Echte spiegelt unsere Welt. Beides fasziniert uns. Bei Darius entsteht immer eins von beiden: Schönes oder Echtes. Manchmal fällt beides zusammen. Aber garantiert jedes seiner Bilder besitzt eine eigentümliche Faszination, der Du Dich nicht entziehen kannst.
Alle Bilder, die ich bei Darius in Auftrag gegeben habe, die im Privaten entstanden sind oder die er für andere machte und über die wir später gesprochen haben, haben diese besondere Aura. Tatsächlich sah ich die ersten Fotos von ihm, als ich ihn noch gar nicht kannte. Es waren Portraits von einem befreundeten Künstler-Duo, 2Flügel. Ich war völlig fasziniert davon, wie es jemand schaffen konnte, die tiefe Liebe zwischen diesen beiden Personen sichtbar zu machen. Ich wusste nicht, dass so etwas überhaupt geht. Ist nur ein Beispiel von vielen.
Oder das hier: Einmal waren wir zusammen in Salzburg bei einer langwierigen, schwierigen, komplexen Fotoproduktion. In einer Pause bei einem Spaziergang haben wir beide mit unseren Handys dasselbe Haus fotografiert. Auf meinem Bild sieht man ein Haus. Auf Darius Bild sieht man eine Idee, eine Vision, eine Geschichte, einen richtig guten Moment, Architektur. Alles auf einem mit dem Handy geknipsten Bild. Wie zur Hölle geht so etwas? Ich habe festgestellt, dass Menschen, die mit ihrer Arbeit außergewöhnliche Qualität herstellen können, dafür immer besondere Quellen haben. Oft sind sie durch großes Leid gegangen, haben verrückte Rettungen erlebt oder erfahren viel und tiefe Liebe in ihrem Leben. Bei Darius fällt wieder vieles davon zusammen (sic).
Darius ist gebürtiger US-Amerikaner, seine Mutter war eine Deutsche, sein Vater ist Perser. Eine unruhige Gemengelage oder kostbares Geschenk? Vermutlich beides. Er verbrachte wunderschöne Kinderjahre im Iran, die ihn außerordentlich geprägt haben. Gastfreundschaft war dabei das wichtige Wort. Man spürt es noch heute: Bei allen Produktionen achtet er sehr genau darauf, dass es allen gut geht – intensives und fröhliches Kennenlernen, angenehme Locations, gutes Catering – eben gelebte, herzliche Gastfreundschaft mitten im Alltag, mitten im Job. Persisches Erbe aus Kindertagen.
Tatsächlich erlebte er aber nach der Kinderzeit als Migrant und Teenager in Deutschland in der Enge eines kleinen schwäbischen Dorfes Ausgrenzung und Chancenlosigkeit. Das hätte sehr schief gehen können, aber dann geschah eine Art Rettung, die Darius sich selbst gestattet hat, von der er manchmal erzählt, wenn man einen gemeinsamen Moment mit ihm erwischt: Klassenfahrt in der Oberstufe nach Polen, Krakau und Warschau, 1988, Vorwendezeit. Alles ist fremd. Großstädte. Breite, aber abgerockte Prachtstraßen, Menschen aus einem anderen System, die anders feiern, anders gucken, anders sind.
Auf sie treffen fast erwachsene Jugendliche aus dem Westen, die den Aufbruch im eigenen Leben ahnen, aufgekratzt sind von der eigenen Freiheit, die mit den Händen schon fast greifbar ist – in einem Land, in dem nichts frei ist, sich aber alles danach sehnt und dafür bereit ist. Eine sehr verrückte Stimmung, mit nichts vergleichbar.
Darius beginnt all das durch die glücklicherweise mitgenommene Kamera zu sehen und im Augenblick festzuhalten. Das Echte und das Schöne. Graue Boulevards und schöne Mädchen. Genau das rettet ihn und befreit ihn aus der Enge des Schwabendörfchens: Das Leben ist besonders. In jedem Moment steckt Bedeutung. Steckt Echtheit. Man muss sie sichtbar machen, damit wir sie bemerken und feiern. Bemerken, wie gesegnet wir sind. Weil wir eben leben. Der Rest ist Geschichte. Ein junger Mann fängt die Schönheit und Echtheit von Menschen, Geschichten und Ideen mit seiner Kamera ein. Für Plattencover und in jungen Magazinen. Später in Portraits und großen Kampagnen. Erst in Stuttgart, dann in Berlin. Er bereist die Welt, trifft viele Menschen: Stars und Sternchen, Politiker und Wirtschaftsbosse, Kranke und Obdachlose. Macht krasseste Stories über Schönheit und Leid. Gewinnt viele Preise.
Aber durch alle Jahre hindurch bleibt seine Arbeit, was sie von Anfang an war: Ein visuelles Ausrufungszeichen hinter der Tatsache, dass das Leben schön und echt sein kann, kostbar und einmalig, wenn wir uns nur darauf einlassen, im Moment zu leben. Bei welchem anderen Fotografen Sie das jetzt so kriegen, kann ich nicht sagen."
Der Text stammt von Magdalena Schmitt, einer Freundin und Kundin von Darius Ramazani, ehemals Kreativdirektorin, heute Literatur- und Contentagentin. Hier erzählt sie Dir, wie sie Darius Arbeit erlebt.
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