Marco Bienek übernahm Creative Concept & Art Direction der aktuellen Kampagne für die Sonnenmilch von Daylong™ – und zeigt entspannte Settings mit jungen Erwachsenen, die einen Tag in der Sonne verbringen. Im Unterschied zu vielen Brands, die primär über Schutz argumentieren, setzt Galderma auf Lebensfreude – getragen von Schweizer Skincare-Expertise.
Mit knapp 20 Jahren Erfahrung in Europa, Asien und den USA bringt Creative Director Marco Bienek eine international geprägte Perspektive in seine Arbeit ein. Frühere Stationen führten ihn unter anderem zu Heimat Berlin, wo er als Junior und Mid-Level an Kampagnen für HORNBACH arbeitete – Erfahrungen, die seinen Blick auf Ideen bis heute prägen.
Heute arbeitet er mit Studio Marco Bienek unabhängig an Marken und Kampagnen für Schweizer und internationale Kunden. Klarheit und Präsenz statt Überinszenierung – Arbeiten, die stehen bleiben. Wir stellen Euch den Kreativen mit seiner Kampagne Enjoy the sun auf GoSee vor.
Gib uns doch einen kurzen Einblick: Wofür steht Dein Studio – und was möchtest Du mit Deiner Arbeit auslösen?
Studio Marco Bienek steht dafür, die Essenz einer Marke zu finden  und sie klar, ehrlich und unterhaltsam auszudrücken. Dahinter steckt weniger ein festes Team als die richtigen Menschen, die für ein Projekt zusammenkommen. Das können einzelne Personen, Agenturen oder Produktionsfirmen sein. Meine Unabhängigkeit erlaubt mir, mich bewusst für oder gegen Projekte zu entscheiden. Echtes Commitment setzt eine freie Entscheidung voraus. Die „willingness to walk away“ ist für mich eine Form von Selbstwirksamkeit, die mir Energie für meine Arbeit gibt.
Für die „Enjoy the sun. Daylong™“-Kampagne konnten wir gemeinsam mit WE’RR im Projekt-Lead ein kleines, fokussiertes Team für die Konzeptphase aufstellen: Pia Koller (Strategie), Wolfgang Bark (Konzept & Text) und ich (Konzept & Art Direction). Bei den Filmen für bexio habe ich die Konzeptphase direkt mit dem Regisseur Lukas Kölling entwickelt – weil es sich für das Projekt stimmiger angefühlt hat.
Glücklicherweise gibt es immer mehr Kund:innen, die den Mut haben, auf solche unkonventionellen Modelle zu setzen.
„Beautifully honest“ – was bedeutet das konkret in Deiner täglichen Arbeit? Wo ziehst Du die Grenze zwischen Klarheit und Vereinfachung?
Spannende Gedanken entstehen für mich im Kontext von ehrlichen Gesprächen. Sehnsüchte, Imperfektion, Verletzlichkeit. Genau diese Intimität und der Mut dazu berühren uns doch. Und so können Geschichten erzählt werden, die sich stimmig anfühlen. Ohne diesen Kern finde ich es schwierig, Konzepte zu entwickeln, die für eine Marke relevant sind, auf den Punkt funktionieren und über Zeit tragen – und dabei inspirierend für Produktionspartner und Konsument:innen bleiben.
Nach fast zwei Jahrzehnten im Business – was hat sich in Deiner Art, Ideen zu entwickeln, grundlegend verändert? Und was ist exakt gleich geblieben?
Als ich angefangen habe, wurde stark in Film und Print gedacht. Vielleicht gab es mal noch eine „Guerilla-Aktion“. Heute verschwimmen Disziplinen immer stärker. Fashion arbeitet mit Hospitality, Sport mit Subkultur, Marken mit Künstler:innen oder Köch:innen. Diese Kombinationen schaffen neue Perspektiven – ich finde das sehr spannend.
Um diese Offenheit selbst zu explorieren, habe ich gemeinsam mit meiner Partnerin Cosima Pereira ciao remo gegründet. Ein Brand im Bereich Hospitality, der sich bewusst entwickelt: von Events über Kollaborationen bis hin zu Interior. Ausgangspunkt war die Idee, das Gefühl eines Roadtrips durch Italien und Frankreich in den Alltag zu übersetzen.
Und dann ist da natürlich noch AI. Ich nutze sie täglich, sehe den Wert darin – und für manche Projekte ist sie auch in der Umsetzung genau das Richtige. Gleichzeitig gibt es bei neuen Technologien oft die Tendenz, sie als Lösung für alles zu betrachten. Die Frage, was uns als Menschen bewegt und inspiriert, bleibt aber menschlich. Und genau deshalb entsteht auch eine Gegenbewegung: ein stärkeres Bedürfnis nach echten Geschichten, echten Begegnungen, echten Perspektiven. Das merke ich auch in Projekten wie „Enjoy the Sun. Daylong™“. Das Gesicht der Sonne entgegenstrecken. Das funktioniert doch besser, wenn echte Menschen echte Momente erleben.
Kampagnen wie HORNBACH oder Daylong leben von einer starken Idee – was war im aktuellen Projekt der Moment, bei dem Du dachtest: „Okay, genau dafür mache ich das“?
Bei Heimat in Berlin habe ich als Junior und Mid-Level für HORNBACH gearbeitet. Dort habe ich vor allem mitgenommen, dass Ideen groß genug sein müssen, um auf jedem Medium zu funktionieren – Film, Print, Event. Wenn eine Idee das alles trägt und auf einer echten gesellschaftlichen Beobachtung basiert, hat sie Substanz.
Dieser Moment kommt für mich immer dann, wenn ein Konzept ein Eigenleben entwickelt und andere es sich zu eigen machen. Dann stehe ich oft am Set, bei einem Shoot oder Event und denke: Krass, wie viele Menschen arbeiten jetzt daran, diesen Gedanken lebendig zu machen – obwohl alles nur mit einem Gespräch begann. Bei Daylong™ war das besonders spürbar – vom Team auf Kundenseite bis zur gesamten Crew am Set.
Ein gutes Konzept ist eng genug, damit klar ist, worum es geht – und weit genug, damit Spielraum bleibt. Für das Team in der Konzeptphase genauso wie für die Umsetzung – und im besten Fall auch für Konsument:innen. Die Zeit, in der Marken nur auf der Bühne standen, um bewundert zu werden, ist vorbei. Menschen wollen sie für sich interpretieren und mitgestalten.
Du hast in Europa, Asien und den USA gearbeitet – wie stark beeinflusst kultureller Kontext heute Deine kreative Entscheidung? Gibt es überhaupt noch so etwas wie eine universelle Bildsprache?
Entstanden ist das wohl vor allem aus Neugier – dem Antrieb, Neues zu entdecken und offen für andere Ansätze zu bleiben. Exploration gehört zu meiner Identität. Und diese Offenheit beeinflusst natürlich, wie ich Dinge sehe. Ob es dabei eine universelle Bildsprache gibt? Ich weiß es nicht. Universelle Gefühle gibt es bestimmt – die Sonne im Gesicht spüren, einen sorgenfreien Tag genießen. Aber das braucht nicht jede Kampagne. Die Perspektive einer Subkultur oder Nische zu beleuchten, kann genauso stark sein.
Geografische Grenzen sind nicht zu unterschätzen – aber in Zeiten von Social Media vermutlich auch überbewertet.
Was macht eine Kampagne heute wirklich relevant – und wann weißt Du: Das funktioniert?
Was eine Kampagne heute wirklich relevant macht, spüre ich meist am Enthusiasmus aller Beteiligten – oder im Fall von Daylong™ am Vibe am Set, am Launch-Event und am Buchprojekt, das nach der Kampagne entstanden ist, um die Menschen bei Galderma intern abzuholen und zu motivieren.
Neben Produkten und Dienstleistungen haben Marken immer das Potenzial, Haltung zu zeigen. Daran glaube ich. „Enjoy the Sun. Daylong™“ ist im Kern ein Gegenangebot zu einem eher angstgetriebenen Narrativ – der Vorstellung, dass man sich ständig schützen muss. Stattdessen sagt es: Du darfst dich sicher und frei fühlen. Du darfst genießen.
Und das aus der Perspektive einer Sonnencreme – mit einer Haltung, die sich mit dem Angebot deckt. Reduziert auf den Punkt. Beautifully honest. Das ist eine schönere Alternative zu Angst.
Weitere Arbeiten des Kreativen via studiomarcobienek.com
CREDITS
Creative Concept & Art Direction: Marco Bienek
Creative Concept & Text: Wolfgang Bark
Strategy: Pia Koller
Film: SYNKRON (Yannis Petrone & Tim Holder)
Photo & Film Production: Marty–Trezzini
Photography: Cyrill Matter
Client Lead: Lynn Santangelo, Galderma
Project Lead: WE'RR