Dieser Fashion-Short wurde exklusiv von Regisseur Daniel Lathwesen für das KALTBLUT Magazine in Berlin produziert und verbindet Fashion-Ästhetik mit einer düsteren filmischen Referenz.
Inspiriert von Sid Davis’ so genanntem 'Bildungsfilm' über die Gefahren räuberischer Homosexueller – einem Werk, das die in den 960er Jahren vorherschende, strenge Moralordnung noch übersteigerte und verzerrte– nähert sich der Beitrag dem Thema mit einem vergnügten Augenzwinkern und der Frage: war das wirklich Euer Ernst?
Die Vorlage aus dem Jahr 1961 wird hier neu inszeniert, um die rigiden Blickweisen der damaligen Gesellschaft zu hinterfragen und zu kommentieren. Der infame Film von Sid Davis stellt Homosexualität als eine "Krankheit" und als kriminelles Verhalten dar. Er behauptet fälschlicherweise, dass Homosexuelle zwangsläufig und grundsätzlich Kinder und Jugendliche belästigen würden.
Sein Film „Boys Beware“ (1961) wird von Historikern und LGBT-Aktivisten als eines der schädlichsten Beispiele für die Pathologisierung von Homosexualität angeführt. Er setzte Homosexualität mit Pädophilie und psychischer Krankheit gleich und trug dazu bei, das Bild des „räuberischen Homosexuellen“ in der US-Gesellschaft zu verankern.
Dies war kein Spass - Davis’ Filme lieferten die visuelle Untermauerung für die politische Verfolgung von LGBT-Personen während der McCarthy-Ära, in der Tausende aus dem Staatsdienst entlassen wurden, weil sie als "Sicherheitsrisiko" oder moralisch instabil galten
Sid Davis (1916–2006) - übrigens ein enger Freund von John Wayne, dessen Film-Double er jahrelang war - war ein einflussreicher US-amerikanischer Independent-Filmemacher, der vor allem für seine über 150 sogenannten "Social Guidance Films" bekannt wurde. Diese kurzen, meist deprimierend-pessimistischen "Lehrfilme" wurden zwischen den 1950er und 1970er Jahren landesweit in US-Schulen gezeigt, um Kinder vor moralischen und physischen Gefahren zu warnen.
Heute gilt der Original-Film 'Boys Beware' als historisches Dokument der Intoleranz und Homophobie der 1950er und 60er Jahre in den USA. Aufgrund seiner absurden und übertriebenen Darstellung ist er in der Popkultur mittlerweile zu einem Objekt des Spotts geworden.
Seit den späten 1980er Jahren hat die LGBT-Community diese 'Horror-Filme' „zurückerobert“. Aufgrund der hölzernen Schauspielerei, der absurden Dialoge und der absurd übertriebenen Moralpredigten werden Filme wie Boys Beware heute in der Queer-Kultur als „Camp“ gefeiert. Davis, der Tausenden Menschen mit seinem Unsinn geschadet hat, blieb übrigens bis zu seinem Tod im Jahr 2006 uneinsichtig.