Was ist heute noch wahr – und was nur eine gute Geschichte? Genau mit dieser Frage spielt die polnische Künstlerin Weronika Gesicka in ihrem Projekt Encyclopaedia. Für das Buch sammelt sie bewusst erfundene Lexikon-Einträge, sogenannte „Fake Facts“, die einst von Redaktionen in Nachschlagewerke geschmuggelt wurden, um Copyright-Diebstahl aufzudecken - und übersetzt sie in eine surreale Bildwelt aus manipulierten Stockfotos und KI-generierten Motiven.
Die Arbeit ist ebenso klug wie humorvoll und trifft einen Nerv der Zeit: In einer Gegenwart, in der sich Information, Werbung und Fiktion ständig überlagern, wird Wissen selbst zu einem unsicheren Terrain.
Mit Encyclopaedia steht Gesicka auf der Shortlist des Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2026, einem der wichtigsten internationalen Preise für zeitgenössische Fotografie. Nominiert sind außerdem Jane Evelyn Atwood, Amak Mahmoodian und Rene Matic.
Die Arbeiten der vier Künstler*innen sind vom 6. März bis 7. Juni 2026 in der The Photographers’ Gallery in London zu sehen. Der Gewinner des mit 30.000 Pfund dotierten Preises wird am 14. Mai 2026 bekannt gegeben.
Die Arbeit von Weronika Gesicka (geb 1984, Polen) steht exemplarisch für die Bandbreite der diesjährigen Shortlist: von langfristiger dokumentarischer Recherche über kollaborative Projekte bis hin zu installativen Arbeiten mit Film, Text und Sound. Themen wie Exil und Erinnerung, Identität, soziale Ungleichheit – aber auch die Grenzen zwischen fotografischer Realität und Inszenierung ziehen sich durch die Ausstellung.
Amak Mahmoodian (geb. 1980, Shiraz, Iran) beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit den Auswirkungen von Exil auf Erinnerung und Identität und entwirft in kollaborativen Projekten die Vision einer Welt ohne Grenzen, in der gemeinsame Träume geografische, politische und zeitliche Distanzen überbrücken.
Rene Matić (geb. 1997, Peterborough, UK) porträtiert in intensiven, vielschichtigen Bildern intime Momente des Alltags und untersucht, wie Körper und Identitäten von politischen und gesellschaftlichen Kräften geprägt – und oft auch eingeschränkt – werden.
Jane Evelyn Atwood (geb. 1947, New York, USA) wurde mit ihrer Publikation 'Too Much Time / Trop de Peines' nominiert, die auf einer zehnjährigen fotografischen Recherche über das Leben inhaftierter Frauen in Gefängnissen weltweit basiert und deren oft übersehene Lebensrealitäten dokumentiert.
Die Jury in diesem Jahr besteht aus: Elisa Medde (Direktorin der Foto Colectania Foundation in Barcelona; ehemalige Chefredakteurin des Foam Magazine), Newsha Tavakolian (Fotografin und Mitglied von Magnum Photos), Mark Sealy, OBE (Executive Director von Autograph ABP), Anne-Marie Beckmann von der Deutsche Börse Photography Foundation sowie Shoair Mavlian von der The Photographers’ Gallery, die den Vorsitz der Jury übernimmt.