Darius Ramazani ist ein gestandener Werbefotograf, der sich souverän zwischen Corporate, Lifestyle und Documentary bewegt. Seine Bilder sind nah dran – direkt, warm und immer auf Augenhöhe mit den Menschen vor der Kamera. Am Set schätzt man nicht nur seine Erfahrung, sondern auch seine offene Art – eine Mischung, die Projekte trägt und Teams zusammenbringt.
In den letzten Monaten reichte seine Bandbreite von Kampagnen für IG Metall (Agentur: Ballhaus West), Elisabethen Quelle mit Evren Gezer (Agentur: Damm+Bierbaum), Weleda mit Annika Lau (Agentur: Ad Alliance) bis hin zu Projekten wie „Freunde fürs Leben e.V.“.
Parallel dazu zeigte er seine Arbeiten im Ausstellungskontext – u.a. im Augustinermuseum Freiburg („Alter“), am Teufelsberg und am Holzmarkt in Berlin. Ein zentrales Thema seiner Arbeit bleibt der Mensch: wie etwa in seiner Serie über die Tierschützer:innen des Vereins Hauptstadttiere e.V.
Neben seiner fotografischen Arbeit verfolgt Darius mit seinem Billboard-Projekt in Berlin eine Idee, die in der Form selten geworden ist: Raum für freie, ungefilterte Kreativität im öffentlichen Raum.
Seit mehreren Jahren bespielt und finanziert er Woche für Woche seine inzwischen legendäre Großfläche am Stuttgarter Platz – ein Ort mit Geschichte, der heute wieder Bühne für neue visuelle Statements wird. Hier geben sich Texter:innen, Illustrator:innen, Maler:innen, Typo-Enthusiast:innen, Fotograf:innen und andere kreative Köpfe die Klinke in die Hand und zeigen, wie eine Wand aussehen kann, wenn man sie einfach machen lässt: laut oder leise, grell oder reduziert, verspielt-kitschig bis hin zu politisch und manchmal einfach nur schön.
Wie es Darius selbst formuliert: „Wir wollen spielen und Sachen ausprobieren – aber unser Herz schlägt für das Gute, Schöne und Wahre. Wir haben die helle Seite der Macht gewählt.
Das Billboard wird so zur offenen Spielwiese – ein Gegenentwurf zu durchoptimierten Kampagnenflächen, und gleichzeitig ein echtes Stück gelebte Kreativkultur in der Stadt.
Was passiert schneller am Set – dass du den perfekten Moment einfängst oder dass du alle mit deiner Energie ansteckst? Am Anfang steht immer die richtige Energie. Deshalb ist mein Team so entscheidend. Wir funktionieren sehr gut miteinander, vertrauen uns – und das fühlt sich ein Stück weit wie Heimat an. Genau das spüren auch die Menschen vor der Kamera:
Bei unseren Shootings entsteht schnell eine Atmosphäre, in der man sich aufgehoben fühlt. Niemand drängt sich bei uns in den Vordergrund. Im Zentrum stehen immer die Protagonisten und Modelle – sie sind die eigentlichen Königinnen und Könige. Wenn die Stimmung stimmt und die Energie passt, überträgt sich das unmittelbar auf die Bilder. Und genau das sieht man ihnen auch an.
Wenn Deine Billboard-Wand sprechen könnte – was würde sie nach all den Jahren über die Kreativszene erzählen? „Wer wagt, der gewinnt“ – klingt abgedroschen, passt hier aber ziemlich gut. Am Anfang wurde ich für die Großfläche eher belächelt. Trotzdem hatte ich von Beginn an das Gefühl, dass es der richtige Weg ist und dass es sich lohnt, dranzubleiben. Inzwischen hat sich das gedreht: Das Thema ist bei vielen angekommen, die Presse hat mehrfach darüber berichtet, und sogar das Fernsehen war schon vor Ort.
Für mich zeigt das auch, wie wichtig kurze Wege sind, wenn es um kreatives Arbeiten geht. In klassischen Agenturstrukturen mit endlosen Abstimmungsrunden zwischen Kunde und Kreation geht oft genau das verloren, was eine Idee stark macht. Alles wird glattgeschliffen, möglichst risikofrei formuliert – niemand will anecken oder Verantwortung übernehmen. Am Ende bleibt häufig ein Kompromiss. Genau solche Kompromisse haben auf der Fläche aber nichts verloren. Was es braucht, sind klare, mutige Ideen, die Haltung zeigen.
Was war das verrückteste oder unerwartetste Motiv, das dort je hing – und bei dem Du dachtest: „Genau dafür machen wir das“? Die größte Freude inzwischen ist, dass viele auf mich mit Ideen zukommen und ich auch mit Ideen auf Künstler oder NGOs zugehe, um diese Großfläche mit Themen zu gestalten. Im Tagesspiegel gab es einen Artikel, der das gut beschrieben hat „…eine Großfläche für Menschlichkeit, Gemeinschaft und eine bessere Welt.“ Darum geht es auch – vielen einfach eine Plattform zu geben. NGOs, Künstlern, Designern, Illustratoren, Schriftstellern etc.! Wir haben aber oft auch sehr lustige Sachen dabei, Humor darf nicht fehlen! Ich war schon immer sehr sozial engagiert, selbst meine Fotografie dreht sich oft um soziale Themen. Ich bin Fotograf mit Schwerpunkt auf den MENSCHEN, das liegt nahe.
Gibt es Ideen, bei denen Du kurz gezuckt hast, sie aufzuhängen – und es dann trotzdem getan hast? Ein Freund von mir, Nicolas Höfer, hatte die Idee für eine Kampagne für EXIT. EXIT-Deutschland ist eine spezialisierte Initiative, die Menschen beim Ausstieg aus der rechtsextremen Szene hilft und sie beim Aufbau eines neuen Lebens unterstützt. Seit dem Jahr 2000 bietet die Organisation individuelle Beratung, Hilfe bei der Distanzierung von rechtsextremer Ideologie, Sicherheit bei Bedrohungen sowie Unterstützung bei der Arbeits- und Wohnungssuche.
Gemeinsam mit Alf Frommer haben die beiden das Konzept weiterentwickelt. Im Januar haben wir das Motiv dann veröffentlicht – und es ist komplett durch die Decke gegangen. Auf Instagram und anderen Social-Media-Kanälen wurde es vielfach geteilt, und auch einige Organisationen haben es in ihren Feeds aufgegriffen. Das war schon ziemlich beeindruckend. Natürlich gab es auch eine Menge Gegenwind. Teilweise war es schon heftig, was man sich anhören musste – und am Ende geht das bei mir zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus.
Wie lange hält ein gutes Bild auf deiner Wand stand, bevor du innerlich schon wieder das nächste sehen willst? Eine sehr gute Frage. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich wahrscheinlich drei weitere Flächen dazubuchen, einfach um noch mehr Inhalte sichtbar zu machen. Es gibt so viel zu erzählen und so viel zu zeigen. Ich bin da wie die Raupe Nimmersatt – ich sauge Eindrücke und Geschichten regelrecht auf.
Wer traut sich eher an die Wand: die ganz Jungen ohne Zweifel oder die Erfahrenen mit Haltung? Analog (die Erfahrung mit Haltung) meets Digital (die Jungen ohne Zweifel). Das Gute an der Fläche ist, dass sie analog und digital gleichzeitig funktioniert. Das Motiv wird klassisch auf Papier gedruckt und dann als Plakat verklebt. Im nächsten Schritt fotografieren wir die Fläche und produzieren ein kurzes Video daraus, das wir über Social Media wieder in die digitale Welt tragen. Genau in dieser Verbindung liegt der Mehrwert: analog und digital greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig. Die JUNGEN und die ERFAHRENEN profitieren voneinander.
Wie oft stehst du selbst davor und denkst dir – krass, dass wir das wirklich jede Woche machen? Das ist ein Herzensprojekt – genauso wie meine Fotografie. Beides sind große Leidenschaften. Ich nenne es auch immer: „DER Fotograf mit der Großfläche“. Viele denken, ich mache nur noch die Großfläche. Das eine geht aber nicht ohne das andere.
Darius' „Großfläche“ existiert vor allem offline im Stadtraum und Du findest sie über lose Online-Spuren, aber nicht als klassische Webseite. Wenn Du nun selber eine Idee hast die auf Darius Grossflöche gehört - schreib ihn gerne an, Dairus geht mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und freut sich immer über neuen Begegnungen.