Mit 'Birds of Mexico City' präsentiert der niederländische Fine-Art-Fotograf Pieter Henket eine eindrucksvolle Porträtserie über eine neue Generation junger Mexikanerinnen und Mexikaner, die zeitgenössische Vorstellungen von Identität, Gender, Tradition und Spiritualität neu definieren. Das jetzt bei Damiani Books erschienene Buch versammelt Arbeiten, die Henket in den vergangenen Jahren in Mexiko-Stadt realisiert hat.
Im Zentrum des Projekts stehen Menschen, die sich zwischen kulturellem Erbe und individueller Selbstbestimmung bewegen. Gemeinsam mit Stylist und Creative Director Chino Castilla entwickelte Henket einen kreativen Raum, in dem Künstler, Tänzer, Designer, Maskenbildner und Performer frei zusammenarbeiten konnten. Entstanden sind vielschichtige Bildwelten, die den Dialog zwischen tief verwurzelten katholischen Traditionen und zeitgenössischen Formen des Selbstausdrucks sichtbar machen.
Die Kostüme wurden mit den Protagonisten entwickelt und übersetzen persönliche Geschichten, kulturelle Referenzen und individuelle Erfahrungen in fotografische Inszenierungen. Begleitende Texte der Autorin und Poetin Renata Juárez Huerdo verleihen den Porträtierten zusätzlich eine eigene Stimme und erweitern die fotografischen Arbeiten um eine literarische Ebene.
Besonders eindrucksvoll ist das Porträt 'La Mujer' der mexikanischen Künstlerin Ixchel Paz. Unretuschiert und selbstbewusst inszeniert, setzt das Bild einen bewussten Kontrapunkt zu den oft stark kuratierten Schönheitsidealen sozialer Medien. Mit einer traditionellen Lucha-Libre-Maske, deren Symbolik lange von Männlichkeit und Inszenierung geprägt war, transformiert Paz das Motiv in ein Bild von Verletzlichkeit, Selbstbestimmung und Identität. Die Künstlerin selbst sagt dazu: "For me, posing in front of a lens has always been a form of revolution… this photograph represents the dignity of all bodies and the right to show ourselves without fear."
Pieter Henket, geboren in den Niederlanden und heute in New York lebend, beschäftigt sich in seiner Arbeit mit Identität, Präsenz und der erzählerischen Kraft des Porträts. Seine Bildsprache ist von der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts beeinflusst, in der Licht nicht nur Gestaltungsmittel, sondern Träger von Bedeutung ist.
Internationale Bekanntheit erlangte Henket mit seinem Porträt von Lady Gaga für das Cover ihres Debütalbums The Fame (2008). Zu seinen Langzeitprojekten zählt Congo Tales (2018), das in enger Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften in der Demokratischen Republik Kongo entstand und unter anderem auf der Titelseite der Arts Section der New York Times erschien. Seine Arbeiten wurden weltweit ausgestellt, darunter im Metropolitan Museum of Art in New York, im Museum Barberini sowie im Museum de Fundatie, und befinden sich unter anderem in der Sammlung des Rijksmuseums.
Gestaltet wurde Birds of Mexico City von Odilon Coutarel. Inspiriert von der Architektur des mexikanischen Modernismus und insbesondere von Luis Barragán versteht sich das Buch selbst als Objekt: reduziert, skulptural und zugleich voller visueller Energie. Die Gestaltung verbindet Fotografien, Texte und Farbe zu einer räumlichen Erzählung, die den Leser durch die unterschiedlichen Stimmen und Perspektiven des Projekts führt.
'Birds of Mexico City' erscheint bei Damiani Books. Die Arbeiten werden vom 12. Juni bis 8. August 26 in der Bildhalle in Zürich gezeigt.
Text: Renata Juárez Huerdo & Justin Gaspar
Vorwort: Alberto Bustamante
Nachwort: Hubert-Jan Henket
144 Seiten, Hardcover, 21,5 × 28,7 cm
ISBN 978-88-6208-855-8