Vom 27. September bis 26. Oktober zeigt die Fotografin Jana Margarete Schuler ihre Serie „Between Blood and Glitter“ auf dem renommierten Festival Fotografia Etica im italienischen Lodi - einem der wichtigsten europäischen Festivals für Fotojournalismus und dokumentarische Fotografie.
In ihrer eindrucksvollen Arbeit richtet die Fotografin den Blick auf eine Gruppe von Lucha-Libre-Kämpferinnen in Ciudad Juárez, jener mexikanischen Grenzstadt, die traurige Berühmtheit als eine der gefährlichsten Orte der Welt für Frauen erlangt hat. Über 2500 Frauen wurden hier in den vergangenen drei Jahrzehnten ermordet, hunderte gelten bis heute als vermisst. Gewalt, Angst und Ungerechtigkeit gehören zum Alltag – und dennoch gibt es Frauen, die sich dem nicht beugen.
Diese Frauen steigen jedes Wochenende in den Ring – in schillernden, glitzernden Kostümen, doch ihre wahre Rüstung ist Mut. Sie nennen sich Luchadoras. Ihre Kämpfe sind weit mehr als bloße Unterhaltung: Sie sind ein Akt des Widerstands, ein Aufschrei gegen ein System, das Frauen unsichtbar macht.
Schulers Bilder erzählen von dieser Spannung zwischen Stärke und Verletzlichkeit, zwischen Show und Überlebenskampf. Die Ringe, in denen die Luchadoras kämpfen, werden zu Symbolen: Orte, an denen Frauen sich zurückholen, was ihnen das Leben außerhalb des Rings so oft verweigert – Würde, Sichtbarkeit und Selbstbestimmung.
Den Zugang zu dieser geschlossenen Szene erhielt Jana Margarete Schuler durch Kathrin Zeiske, eine deutsche Journalistin, die seit mehr als zehn Jahren zwischen Bonn und Ciudad Juárez pendelt. Zeiske ist selbst Luchadora – unter dem Namen Miss Kath steht sie regelmäßig im Ring. Dort lernte sie auch ihren Partner kennen: Pagano, einen der bekanntesten Wrestler Mexikos und international gefeierten Lucha-Libre-Star. Für ihn zog Zeiske nach Ciudad Juárez – und öffnete Schuler die Türen in den Kreis der kämpfenden Frauen, die heute zu den zentralen Figuren ihrer Arbeit gehören.
Von rund 200 Wrestler*innen in Juárez sind nur 15 Frauen. Doch ihre Präsenz verändert die Wahrnehmung ganzer Generationen. Sie kämpfen nicht nur gegeneinander, sondern gegen ein patriarchales System. In ihrer Stärke liegt Hoffnung – für die Mädchen, die ihnen zusehen, und für alle Frauen, die ihren Platz in der Öffentlichkeit zurückerobern wollen.
Als wir Jana zu ihrem Projekt sprachen, war sie gerade wieder vor Ort in Mexiko, um weiter an ihrer Reportage zu arbeiten.  Wir wollten von ihr wissen, wie es von der Idee zur Umsetzung kam, und ob sie heute noch Kontakt zu den Luchadoras hat und was diese über die Serie sagen. Jana zu GoSee: "Ich arbeite seit knapp drei Jahren an der Arbeit, aktuell bin ich zum vierten Mal vor Ort. Ich wurde für das Projekt mit dem TruePicture Award ausgezeichnet, der es mir ermöglicht, weiter an der Langzeitreportage zu arbeiten. Die Serie ist also noch eine laufende Arbeit – die Bilder sind bisher nicht publiziert, sondern werden derzeit exklusiv in Ausstellungen gezeigt.
Zu den Luchadoras gibt es eine enge und inzwischen sehr vertraute Verbindung. Ich arbeite von Anfang an gemeinsam mit der Journalistin Kathrin Zeiske an dem Projekt, die seit zehn Jahren zwischen Bonn und Juárez pendelt und selbst als Luchadora in Juárez jedes Wochenende kämpft. Dadurch habe ich einen sehr intimen, nahen Zugang bekommen, der sonst sicher nicht möglich gewesen wäre – etwa Besuche zu Hause, Zeit mit den Kindern usw. Normalerweise lädt man hier keine Fremden zu sich ein; das ist etwas sehr Privates und ein absoluter Safe Space. Auch deshalb muss dieses Thema eine Langzeitreportage sein – ich fotografiere echte Menschen in ihrem realen Umfeld, und da spielt Vertrauen eine sehr große Rolle.
Die Luchadoras haben bereits Bilder der Ausstellung auf dem Festival della Fotografia Etica gesehen und freuen sich riesig, dass sie in Italien so prominent vertreten sind. Insgesamt ist es mir sehr wichtig, immer im Austausch mit den Protagonistinnen zu bleiben und etwas zurückzugeben. Am 8. März, dem Frauenkampftag, eröffnen wir deshalb eine große Solo-Ausstellung in Juárez selbst – in der Kunstgalerie Azul Arena. Die Ausstellung läuft vom 8.3. bis 8.6.2026. Es wird einen großen Empfang mit rotem Teppich für die Luchadoras geben – außerdem einen Lucha Libre Frauenkampf."
Mit „Between Blood and Glitter“ gelingt Jana Margarete Schuler eine bewegende visuelle Erzählung über Mut, Weiblichkeit und Widerstandskraft – ein Porträt jener, die glitzern, wo andere bluten. Hier bei GoSee zeigen wir Euch das Projekt und einige Bilder vom Opening der aktuellen Ausstellung.
Jana Margarete Schuler (1993) is a German photographer focused on gender equality and amplifying underrepresented voices. She tells big stories through small moments, capturing the nuances of everyday life to reveal larger social dynamics. She is part of Inland Stories, a collective and platform dedicated to documentary photography and visual storytelling that focuses on social, environmental, and human rights issues around the world.