Nach seinem 70. Geburtstag im vergangenen Jahr blickt Corbijn auf ein Werk von über fünf Jahrzehnten zurück – von Fotografie über Musikvideos bis hin zu Spielfilmen. Die Ausstellung „Corbijn, Anton“ feiert 50 Jahre seines Schaffens und zeigt rund 150 Fotografien, darunter ikonische Porträts von Depeche Mode, Tom Waits, U2, den Rolling Stones, Martin Scorsese und Marlene Dumas sowie deutschen Persönlichkeiten wie Nina Hagen, Herbert Grönemeyer und Wim Wenders. Charakteristisch bleibt sein körniges Schwarz-Weiß, das seine Bildsprache bis heute prägt.
Parallel zur Retrospektive ist das Buch Corbijn, Anton bei Hannibal Books erschienen. M/M (Paris)-Studio haben sowohl das Buch als auch das Ausstellungsdesign gestaltet.
Die Geschichte von Anton Corbijn beginnt auf einer ruhigen niederländischen Insel, wo er als Sohn eines Pfarrers aufwuchs. Musik wurde früh zu seinem Rückzugsort. Mit der Kamera fand er ein Werkzeug, das ihn bis heute begleitet – und das ihm half, seine Faszination für Musik auszudrücken und gleichzeitig seine eigene Schüchternheit zu überwinden.
Als Corbijn 1979 nach London zog, war die Musikszene in Bewegung – mit Bands wie The Clash, The Jam und Joy Division. Nur zehn Tage nach seiner Ankunft fotografierte er Joy Division – angeblich im Auftrag eines niederländischen Magazins, obwohl es diesen Auftrag nie gab.
„Die Kamera ist ein wunderbares Werkzeug, um mit Menschen in Kontakt zu treten. Sie gibt dir eine Rolle, die dir erlaubt, andere anzusprechen. Der Wunsch zu fotografieren war stärker als meine Schüchternheit.“ – Anton Corbijn
Für Corbijn ist die Kamera mehr als ein Werkzeug – sie ist eine Verbindung zu den Menschen vor der Linse. Daraus entstehen oft langfristige künstlerische Partnerschaften. So entwickelte er über Jahrzehnte hinweg die visuelle Identität von Depeche Mode mit und prägte als Fotograf die Bildwelt von U2.
„Stil ist im Grunde die Unfähigkeit, es anders zu machen. Ich habe keinen bestimmten Stil verfolgt, als ich anfing, Fotos zu machen. Ich konnte es einfach nicht anders.“ – Anton Corbijn
„Die Ausstellung wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler kuratiert und zeigt neben bekannten Arbeiten auch eine persönliche Auswahl seiner Lieblingswerke“, sagt Johan Vikner, Global Director of Exhibitions bei Fotografiska.
Über den Künstler: Der niederländische Künstler Anton Corbijn ist bekannt für seine Arbeiten in Fotografie, Musikvideo, Film und Grafikdesign. Vor seiner Kamera standen unter anderem Joy Division, Depeche Mode, U2, die Rolling Stones, Martin Scorsese, Clint Eastwood, Gerhard Richter, Ai Weiwei und Marlene Dumas. Neben seiner fotografischen Arbeit drehte Corbijn über 80 Musikvideos, u. a. für U2, Johnny Cash, Nirvana, Metallica und Coldplay. Als Art Director prägte er maßgeblich das visuelle Erscheinungsbild von Depeche Mode.
2006 realisierte er mit Control seinen ersten Spielfilm über Ian Curtis, der international ausgezeichnet wurde. Es folgten u. a. The American (2010), A Most Wanted Man (2014) und Life (2015). 2023 erschien sein Dokumentarfilm Squaring The Circle, 2025 folgte der Spielfilm Switzerland mit Helen Mirren.
Opening Party: Am 8. Mai (19:00–02:00 Uhr) wird die Ausstellung mit einer Opening Party eröffnet. Den Auftakt bildet ein Gespräch zwischen Anton Corbijn und Herbert Grönemeyer, moderiert von Hadnet Tesfai. Anschließend folgt ein Live-Programm mit u. a. Anika, DJ Hell, Drangsal, Isolation Berlin und weiteren Acts, die Corbijns Ästhetik musikalisch aufgreifen.
Fotografiska ist ein internationaler Treffpunkt für Fotografie, visuelle Kunst und Kultur mit Standorten in Stockholm, Berlin, Shanghai und Tallinn. Seit der Gründung 2010 versteht sich Fotografiska als Plattform für neue Perspektiven und zeitgenössische visuelle Positionen.
9. Mai – 20. September 2026
Fotografiska Berlin
Oranienburger Str. 54, 10117 Berlin