Das Chelsea Hotel in New York ist seit den 1960er-Jahren ein ikonischer Ort der Kunst- und Musikszene. Von 1969 bis 1971 lebte auch der Künstler Albert Scopin dort, damals noch als Assistent der Fotografen Mikel Avedon und Bill King. Er fotografierte mit einer einfachen Kodak Instamatic das Leben im Hotel: direkt, ungestellt und oft ohne durch den Sucher zu schauen.
Nun werden die Arbeiten erstmals umfassend gezeigt: Die Berliner FWR Galerie präsentiert rund 30 Fotografien und bringt parallel den Bildband zur Serie heraus. Ausstellung und Buch geben einen seltenen Einblick in das Chelsea Hotel jener Jahre – roh, nah und voller Energie.
Seine Bilder zeigen eine Generation im Aufbruch, darunter die noch unbekannten Patti Smith und Robert Mapplethorpe als junges Paar und als Individuen auf ihrem Weg zum Ruhm, ebenso Filmregisseure wie Wim Wenders, Rosa von Praunheim, Miloš Forman und Jonas Mekas; die Warhol-Crowd führt ein Theaterstück auf; im Keller feiern die Hotelangestellten eine wilde Party; auf dem Dach sinniert man darüber, was die Zukunft bringen mag und schaut herunter auf eine Stadt, die darauf wartet erobert zu werden. Kurze Begleittexte des Künstlers und ein Interview runden den Band ab und vermitteln außergewöhnlich nahe Einblicke in die Welt hinter der Fassade des vielleicht berühmtesten Hotels der Welt.
Über Jahrzehnte galten die Aufnahmen als verloren. Nachdem Scopin sie 1970 an das ZEITmagazin geschickt hatte, kehrten die Originale nie zurück. Erst 2016 tauchten Negative und Abzüge überraschend wieder auf – der Weg dorthin bleibt bis heute ungeklärt.
SCOPIN | CHELSEA HOTEL
Herausgegeben von: Albert Scopin Schöpflin; Galerie Ahlers, Göttingen
Texte von: Albert Scopin Schöpflin, Michael Stoeber
Gestaltung: Arno Dietsche, Grenzach-Wyhlen
176 Seiten, 118 farbige Abbildungen, Softcover, ISBN 978-3-7356-1046-1, Kerber Verlag