Der Junge im Bärenfell, ein verschneiter Birkenwald, das rundliche Bauernpaar in den bunten Alltagstrachten. Dann: Zerfall. Ein Zusammenspiel aus verträumt rustikalen Märchenwelten und der harsch zerbröckelnden Realität prägt die Stimmung des Bildbandes von Tamas Dezso. Der Fotograf dokumentiert erstmals Rumäniens alte Traditionen, bäuerlichen Bräuche und die dunklen Schatten des ehemaligen Regimes. Lethargie spielt da nicht nur mit rein, sondern bestimmt das Klima seiner Bildsprache. 'Notes for an Epilogue' erscheint im Hatje Cantz Verlag und ist das erste Buch des ungarischen Künstlers. Ein einnehmendes Zeitzeugen-Werk einer rasch verschwindenden Welt.
In großformatigen Farbfotografien beschreibt Tamas Dezso die in Vergessen geratende Lebensweisen der abgelegenen ländlichen Regionen des ökonomisch am Boden liegenden Rumäniens. Sein Augenmerk legt er auf die Randbereiche der Gesellschaft, eine jahrhundertealte Kultur mit Bräuchen und Traditionen, die auf dem Land von einer Generation zur nächsten weitergegeben, aber nie festgehalten wurden. Zugleich beleuchtet er die zerfallende Infrastruktur und die Fabrik-Ruinen, die das von 1946 bis 1989 herrschende autokratische Regime hinterlassen hat.
Der Künstler über sein Buch: "Spiritual tradition and physical heritage are simultaneously disintegrating in Romania. Time is beginning to undermine centuries-old traditions preserved in tiny villages, in communities of only a few houses, as well as the bastions of the communist era’s enforced industrialisation, which became part and parcel of Romania’s recent history. Those living in the reservations of forgetting blend with nature, exhibiting a humility inherited through generations. Urged on by modernisation, they are living out their last days in evident equality of closeness to nature and, helping time, they are diligently pulling down the absurd edifices of their environment. In the manner of termites, they carry away small pieces of immense concrete constructions on the rickety carts of poverty, pick through reinforced concrete frames of former factory monsters, power stations and furnaces, dismantling monuments of formerly enforced modernisation which have corroded into a stage set. Four years ago, I began photographing the scenes of a world irreversibly decaying, the transformation of a Balkan country surviving the region’s hardest dictatorship. When capturing the still recordable milieu I am examining the parallel of a general tendency and personal stories: as resilient humanity condensing into symbolic destinies takes shape in the face of mortality."
About - Tamas Dezso wurde 1978 geboren und lebt in Budapest. Seine Arbeiten wurden in weltweiten Gruppen- und Solo-Ausstellungen gezeigt und in renommierten Publikationen veröffentlicht. Darunter im Time Magazine, der New York Times, National Geographic, Geo, Le Monde, The Sunday Times und The British Journal of Photography.
Tamas Dezso - 'Notes for an Epilogue' .160 Seiten, 69 Abbildungen . Text von Eszter Szablyár . hatjecantz.de