Seit Anfang des Jahres läuft das neue Studio Hackenberg in Hamburg auf Hochtouren. Einen wesentlichen Anteil daran haben die kontinuierlichen Produktionen für McDonald’s, die gemeinsam mit Scholz & Friends entstehen. Von Burgern, Wraps und Fries über Drinks und Eis bis hin zu Non-Food: Die Motive begegnen einem derzeit auf Plakaten, in Kampagnen und vielen weiteren Medien.

Was dabei am Ende selbstverständlich, lässig und vor allem appetitlich aussehen soll, ist das Ergebnis ziemlich präziser Prozesse. Denn Food-Fotografie beginnt für Calle Hackenberg nicht erst bei Kamera und Licht. Foodstyling, Set, Postproduktion und Abstimmung müssen ineinandergreifen – und manchmal sind es gerade die Brotkrümel neben der Stulle oder die Butterreste am Messer, die aus einem perfekten Produktfoto ein glaubwürdiges Food-Motiv machen.

Das neue Studio ist dabei längst mehr als nur der Ort, an dem fotografiert wird. Produktion, umfangreiches Props- und Equipment-Archiv, Foodstyling, Kundenbereiche und Postproduktion greifen hier so eng ineinander, dass erste ausgearbeitete Files teilweise noch während des Shootings entstehen.

gosee.news sprach mit Calle Hackenberg darüber, warum die perfekte Unordnung für ihn zum guten Food-Foto gehört, weshalb jeder ein anderes Bild vom perfekten Apfel im Kopf hat – und wie sich die für McDonald’s entwickelten Workflows auch auf andere Food-, Still-Life- und Advertising-Produktionen übertragen lassen.

Calle, Food-Fotografie sieht im besten Fall völlig selbstverständlich und appetitlich aus – dahinter steckt aber enorme Präzision. Was ist für Dich das Geheimnis eines wirklich guten Food-Motivs, und was unterscheidet Deine Arbeitsweise vielleicht von anderen?

Ein gutes Foodmotiv ist immer vor allem nahbar und strahlt maximalen taste appeal aus. Es muss den Betrachter reinziehen und sprichwörtlich das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Die eigentlich Schwierigkeit dabei ist den perfekten Grad an Ordnung, Idealisierung aber vor allem auch Lässigkeit zu finden. Die Brotkrümel neben der Stulle & die Butterreste am Messer sorgen erst dafür, dass das Foto wirklich appetitlich und nahbar wird. Ohne diesen feinen Grad an gestagter Unordnung und gewollter Lässigkeit, wird jedes Lebensmittel und jedes Gericht einfach nur steril und langweilig.

Im Hintergrund spielt dabei natürlich auch ein großes Maß an Präzision und Technik eine Rolle, eine passende Lichtführung für jedes Produkt und jeden Typ Texturen die Lebensmittel mitbringen – das ist für mich selbstverständlich und sollte sich nie in den Vordergrund spielen. Ebenso das man jederzeit abschätzen kann, was fotografisch, was übers foodstyling oder doch in der Postproduktion zu lösen ist. Da hilft es gut 15 Jahre Erfahrung in der Foodfotografie zu haben und sowohl für kleine Magazine, als auch Handelsmarken, riesige Kampagnen oder auch den Lebensmittelgroßhandel gearbeitet zu haben.

Meine Herangehensweise ist runtergebrochen immer sich absolut auf das Produkt zu fokussieren und den Background (der Marke) zu verstehen und dann darzustellen. Erst dann füge ich die einzelnen Teile zusammen und erarbeite engmaschig mit eine*r Foodstylist*in wie wir das Motiv umsetzen. Ganz entscheidend ist da eine offene gradlinige Kommunikation zwischen meinem Team, Foodstyling und Kunde. Gerade bei Food ist der Bedarf an sauberer Kommunikation extrem hoch, weil jeder ein anderes Bild von einem perfekten Apfel im Kopf hat. Diese verschiedenen Vorstellungen zusammen zu bringen, die Essenz zu extrahieren und in eine konsistente Bildsprache zu fixieren, das ist es was meine Arbeit ausmacht - das richtige Maß an Highclass Food gemischt mit nahbarer Lässigkeit.

Ihr arbeitet seit Anfang des Jahres im neuen Studio Hackenberg. Was kannst Du dort heute bei Produktionen umsetzen, was vorher schwieriger oder gar nicht möglich war? Hat das neue Studio auch Deinen Workflow verändert?

Abseits von Standortvorteilen die Hamburg als Stadt mit seiner ganzen Infrastruktur an Menschen, Technik und Laufwegen etc. mitbringt, ist es vor allem, dass wir sehr gut als One-Stop-Shop für unsere Kunden und Produktionen fungieren können. Wir haben inhouse inzwischen alles, um uns 4 Wochen einzusperren und einfach konzentriert durchzuproduzieren. Es gibt jede Schale, jeden Topf, große Kühlmöglichkeiten, hunderte Holzbretter, Untergründe und Technik, die sich bis an die Decke stapelt. Kunden können sich separat in einen Konferenzraum zurückziehen und es gibt offene Schreibtische, wenn Postproduction parallel on the fly geschehen muss. Wir schaffen es mit dieser Struktur für viele Produktionen binnen 24 Stunden, manchmal sogar nur über Nacht einen ersten Stand auszuarbeiten.

Man geht abends in den Feierabend und kommt morgens rein und kann direkt die erste Korrekturrunde besprechen. Das ist eine Effizienz, die wir hier mit einem sauber abgestimmten Workflow entwickelt haben. Insgesamt haben sind durch das neue Studio alle Wege nochmal kürzer geworden und jeder Prozess geschärft worden. Wir hatten die Möglichkeit vieles wirklich nach unseren Anforderungen zu gestalten – das sorgt nicht nur für gute Prozesse, sondern auch für eine Räumlichkeit, in der man sich gerne aufhält. Mir war es wichtig ein Raum zu schaffen, in den gerne alle kommen und die für ihren Bereich idealen Voraussetzungen vorfinden. Nichts soll ablenken, alle Beteiligten sollen für den Produktionszeitraum als ein geschlossenes Glied fungieren – das Studio hilft dabei enorm.

 Viele der Abläufe, die Ihr für die kontinuierlichen McDonald’s-Produktionen mit Scholz & Friends entwickelt habt, dürften auch für andere Kunden interessant sein. Welche dieser Workflows oder Möglichkeiten lassen sich auf andere Food-, Still-Life- oder Advertising-Produktionen übertragen – und für welche Art von Projekten ist das Studio besonders spannend?

Im Endeffekt lässt sich fast alles übertragen, da wir mit Scholz&Friends und McDonald’s von Eis über Burger, Wraps, Fries, Drinks und auch Non-Food-Artikel alle Produktkategorien erarbeitet haben, sind wir in jedem Metier und mit jedem Produkttyp mehr als sattelfest.

Die detaillierten Prozesse die im Hintergrund laufen und die dafür sorgen, dass wir es schaffen erste ausgearbeitete Files on the fly zu delivern, während wir gerade schon am nächsten Produkt arbeiten, ist für jeden Kunden mit großen Abstimmungsprozessen oder Zeitdruck wertvoll. Es gibt einen Vorsprung in einem Arbeitsumfeld in der jeder Loop Geld kostet und jeder Loop schneller werden soll.

Abseits von den Prozessen selbst ist vor allem eines entscheidend – wir sind flexibel und schaffen es gangbare Lösungen zu erarbeiten, egal was das Problem ist. Das haben wir uns über die Jahre angeeignet, denn am Ende soll es einfach smooth laufen, ob da auf dem Weg Steine lagen hat keinen zu interessieren.

Vertreten wird das Studio Hackenberg von der Hamburger Agentur DOUBLE T.