Die äthiopische Künstlerin Aida Muluneh zählt zu den wichtigsten Stimmen der zeitgenössischen afrikanischen Fotografie. Mit einer einzigartigen Bildsprache zwischen Fotografie, Grafik und Malerei hinterfragt sie stereotype Darstellungen des afrikanischen Kontinents – und entwirft stattdessen eine Ästhetik, die von Symbolik, Farbe und spiritueller Tiefe geprägt ist.
Mulunehs Werke zeigen starke, oft hieratisch inszenierte Frauenfiguren in leuchtenden Primärfarben. Ihre Bilder sind visuelle Manifeste, die Migration, Identität und kulturelles Erbe in einen neuen Kontext setzen – politisch aufgeladen und zugleich poetisch. Als ehemalige Fotojournalistin der Washington Post und Gründerin des Addis Foto Fest, Ostafrikas erstem internationalen Fotofestival, verbindet sie künstlerisches Schaffen mit kulturellem Engagement.
Aktuell sind Mulunehs Arbeiten in einer Solo-Ausstellung in der Playlist Gallery by Giampaolo Abbondio in Mailand zu sehen. Unter dem Titel „The Homeless Wanderer“, inspiriert vom gleichnamigen Musikstück der äthiopischen Komponistin Emahoy Tsegué-Maryam Guèbrou, entfaltet sich eine Bildwelt von stiller Kraft und spirituellem Nachhall. Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. Juli 2025.
“Her photographs are visionary “windows” that blur realism with illusion and magic, offering an Africa that renews existence. In her art, the line between migration and permanence, escape and return, memory and reality is blurred. Her strict geometric compositions are inhabited by alien yet precise female figures, each performing a deliberate act in a specific moment, sacralizing the everyday through the slow rhythm of an ancient ritual foreign to Western experience.” Jacqueline Ceresoli
Aida Muluneh (Addis Abeba, 1974) studierte Film und Kommunikationswissenschaften an der Howard University in Washington, D.C. Ihre Arbeiten sind international veröffentlicht und Teil bedeutender öffentlicher Sammlungen, u. a. im Museum of Modern Art (MoMA), im Smithsonian National Museum of African Art, im Hood Museum, im RISD Museum of Art sowie im Museum of Biblical Art in den USA. Im Jahr 2019 war sie die erste Frau afrikanischer Herkunft, die an der Kuratierung der Nobelpreis-Friedensausstellung beteiligt war – 2020 kehrte sie als beauftragte Künstlerin zurück.
Muluneh war Jurymitglied bei Wettbewerben wie den Sony World Photography Awards und dem World Press Photo Contest (2017) und nahm an internationalen Diskursformaten teil, u. a. bei der African Union Cultural Summit, Art Basel, TEDx Johannesburg sowie beim World Press Photo Festival in Amsterdam, wo sie die renommierte Sem Presser Lecture hielt.
Als Canon Ambassador und Gründerin des Addis Foto Fest (AFF) – des ersten internationalen Fotofestivals in Ostafrika – engagiert sich Muluneh auch als Dozentin und Kulturunternehmerin. Ihre Projekte realisiert sie mit Institutionen in Äthiopien und der Elfenbeinküste.
Aida Muluneh in der Playlist Gallery, Mailand
12. Juni – 30. Juli 2025
Via Archimede 73, 20129 Mailand