Mit 'Der fantastische Bus' hat der dänische Künstler und Autor Jakob Martin Strid ein Werk geschaffen, das Illustration als Kunstform neu definiert. Seine Bilder sind erzählerisch wie technisch virtuos - ein Gesamtkunstwerk aus Zeichnung, Farbe und Fantasie. Ein wildes, farbenfrohes Abenteuer über Freundschaft, Mut und die Kraft der Fantasie
In leuchtenden Farben erzählt Strid die Geschichte einer Gruppe Tiere, die aus einem trostlosen Viertel fliehen, um gemeinsam ein außergewöhnliches Fahrzeug zu bauen und sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Land Balanka zu machen.
Seine Illustrationen - ein wilder Mix aus Aquarell, Acrylmarker, Bleistift und Tusche - verbinden handwerkliche Präzision mit visueller Wucht. Detailreich, witzig und emotional ziehen sie die Leser:innen mitten hinein in eine Welt, in der Fantasie keine Grenzen kennt. Jede Seite steckt voller liebevoller Anspielungen, skurriler Figuren und feinsinniger Beobachtungen. In seiner Bildsprache knüpft Strid an Größen wie Bill Watterson, Charles Schulz, Astrid Lindgren, Tove Jansson und Hayao Miyazaki an – und führt zugleich die dänische Illustrations-Tradition von Storm P., Claus Deleuran und Rune T. Kidde fort.
Im Gespräch beschreibt Strid, wie die Idee zum Fantastischen Bus vor rund 15 Jahren entstand - aus einer einfachen Zeichnung von Tieren, die gemeinsam ein riesiges Fahrzeug bauen. „Dann dachte ich: Die haben besser einen guten Grund für diese ganze Arbeit. So kam mir die Idee mit dem kranken Kind und einem fernen, magischen Ort..... Ich mache keinen Unterschied zwischen Kunst und Illustration. Für mich ist beides Ausdruck. Die besten kreativen Lösungen entstehen oft aus Einschränkungen - Strenge schafft Freiheit.“
Interview mit Jakob Martin Strids
Wann haben Sie zum ersten Mal an den Fantastischen Bus gedacht – und wie lange haben Sie daran gearbeitet? Was kam zuerst: ein Bild oder die Idee zur Geschichte?
Jakob Martin Strid: Ich habe 15 Jahre vor der Veröffentlichung 2023 angefangen – zu einer Zeit, als ich ein bisschen depressiv war. Aber ich habe natürlich nicht die ganzen 15 Jahre nur daran gearbeitet, sondern in dieser Zeit auch andere Bücher gemacht. Wirklich intensiv daran gearbeitet habe ich vielleicht die letzten acht Jahre oder so. Das Ganze begann mit einer Zeichnung von Tieren, die einen riesigen Bus bauen. Dann dachte ich: „Die haben besser einen guten Grund für diese ganze Arbeit.“ Und so kam mir der Gedanke an ein krankes Kind und einen weit entfernten, magischen Ort, an dem Blumen heilende Kräfte haben.
Im Buch heißt es: „No AI or digital painting tools were used in the making of this book. Everything by hand. Everything on paper.“ Können Sie etwas genauer erzählen, auf welchem Material und mit welchen Werkzeugen Sie gearbeitet haben? Jakob Martin Strid: Keine Ahnung mehr, warum ich das mit der KI überhaupt dazugeschrieben habe – es hat sich einfach gut angefühlt, das klarzustellen. Was digitale Malerei betrifft, mache ich da einen Unterschied zwischen digitalem Malen und digitaler Bearbeitung. Letzteres mache ich recht viel: Die ganzen Zeichnungen gingen durch Photoshop – für Farbkorrekturen, Seitenanordnung etc. –, aber sie sind alle von mir gezeichnet und gemalt worden. Auf unterschiedlichsten Papieren, mit Farben, Bleistift, Pinseln, Filzstiften … Übrigens sind viele der Originalbilder derzeit im Kunstmuseum Brandts in Odense ausgestellt.
Die Jury beschreibt Ihren Ton als anarchisch, humanistisch und antikapitalistisch. Würden Sie das unterschreiben? Und was wünschen Sie sich, dass die Leser:innen aus dem Fantastischen Bus mitnehmen? Jakob Martin Strid: Also, das mit dem „antikapitalistisch“ weiß ich nicht so genau. Ich glaube, da projizieren manche Leute ihre eigene Meinung hinein.
Klar – die Häuser der Figuren im Buch werden abgerissen, aber das haben ja auch Sozialisten gemacht, oder nicht? Ich bin ziemlich egoistisch und will sehr viele Bücher verkaufen und noch mehr Geld verdienen – was ja nicht gerade antikapitalistisch ist, oder? Sagen Sie mir ein Land, in dem Sie leben und Ihre Kinder großziehen wollen, das nicht kapitalistisch ist. Und seien Sie ehrlich! Künstler sind oft Heuchler – sie tun so, als wären sie diese politisch korrekten Heiligen, aber in Wahrheit wollen sie alle Ruhm und Reichtum. Ich auch! Wie auch immer – ich kann sagen, dass ich versuche, meine Arbeit so ehrlich, gut und mit so viel Liebe wie möglich zu machen. Und ich glaube, das Buch handelt von der grundlegenden Sehnsucht nach dem Paradies, die in allen Menschen schlummert – nicht von Politik. (Natürlich bin ich hier nicht ganz ehrlich …)
Über den Autor: Der 1972 geborene Jakob Martin Strid zählt heute zu den wichtigsten Kinderbuchautoren Skandinaviens. Bekannt wurde er durch Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne, die 2017 sogar verfilmt wurde. Für seine Arbeiten wurde er vielfach ausgezeichnet – u.a mit dem Dan-Turèll-Preis, dem Orla-Preis, dem Illustratorenpreis des Kulturministeriums und dem Kulturpreis des Kronprinzenpaares. Im Oktober 2024 erhielt Strid als erster Däne den Kinder- und Jugendliteraturpreis des Nordischen Rates – für Der fantastische Bus, ein Werk, das längst Kultstatus erreicht hat. Nachdem das Buch bereits international gefeiert wird, erschien nun die deutsche Ausgabe im Verlag Antje Kunstman.
Aktuell zeigt das Kunstmuseum Brandts in Odense (Dänemark) rund 70 Originalarbeiten aus dem Buch – zu sehen noch bis 26. April 2026. Die teils mehrere Meter breiten Zeichnungen sind aus mehreren Blättern Papier zusammengesetzt und vollständig von Hand ausgeführt – mit Aquarell, Acrylmarkern, Bleistift und Tusche, anschließend nur minimal digital bearbeitet. www.brandts.dk
'Der fantastische Bus' Jakob Martin Strids
Verlag Antje Kunstmann