Die Beziehung zwischen dem Jetzt und der Vergangenheit ist das Thema der finnischen Fotografin Anni Leppälä (geboren 1981 in Helsinki). Die Vertreterin der renommierten Helsinki School, die sich verstärkt mit konzeptioneller Fotografie beschäftigt, fotografiert Landschaften, Stilleben, Räume und Menschen - meist Frauen, da sie sich mit ihnen besser identifizieren kann. Diese zeigt sie von hinten oder diese schauen den Betrachter direkt an. Ihre Arbeiten wirken oftmals wie stilisierte Postkarten oder zeigen snapshotartige, flüchtige Momente, die einen kleinen Einblick in eine größere Geschichte zeigen. Und irgendwie schaffen es diese kleinen Momente in unserem Gedächtnis zu bleiben. Die Berliner Galerie Taik Persons zeigt hier bei GoSee einen Vorgeschmack auf die Solo-Ausstellung mit neuen Arbeiten der Fotografin.
Anni Leppälä studierte an der University of Art and Design Helsinki und wurde 2010 in ihrem Heimatland zum Young Artist of the Year gewählt. Ihre Arbeiten sind u.a. in der Kunstsammlung der Deutschen Bank zu finden. In einem Interview mit dem db-Magazin beschrieb sie, dass die Herausforderung beim Fotografieren darin liege, die sichtbare mit einer inneren Welt oder einer inneren Erfahrung des Betrachters, in Berührung zu bringen - aber auf eine völlig andere Weise, als es die eigentliche visuelle Oberfläche des Bildes nahelege.
Die Berliner Kunsthistorikerin Shao-Lan Hertel beschreibt die Ausstellung wie folgt: "Leppäläs Arbeiten zeichnen Landschaften des Inneren. Mit ausgeprägter Sensibilität für Farbe und machtvolle Kompositionen sprechen sie jenseits der repräsentativen Dimension von Worten. Ihre Motive fungieren als visuelle Sinnträger, als non-verbale Metaphern und Symbole verborgener, ambivalenter Bedeutungen. Leppälä möchte die unsichtbaren Pfade erschließen, die uns von dem konkreten zu dem verdeckten Bild hinführen, welche durch die Evozierung etwa einer bestimmten Erinnerung, eines Gefühls, einer Angst freigelegt werden.
Als Schauplätze für ihre Arbeiten wählt Leppälä natürliche Umgebungen wie entlegene Wälder, die Außen- und Innenräume verlassener Landhäuser oder die abstrakteren Topografien materieller Oberflächen, darunter Holz, verputzte Wände, Tapeten. Wie in ihren älteren Werkserien, scheinen die adoleszenten Figuren, die in vielen Arbeiten zu sehen sind, in ihrer ernsthaften, anmutigen Art auf Themen von Kindheit, Gedächtnis und Schwellenhaftigkeit hinzudeuten. (...)
Leppäläs Arbeiten sind voller subtiler Paradoxe. Die wohl zauberhafteste darunter scheint ihre Betonung eines Zustands zu sein, der dem fotografischen Medium inhärent ist: eine simultane Ausdehnung von Präsenz und Abszenz, insofern als die Bilder etwas einfangen, das ist – im Hier und Jetzt – und gleichzeitig etwas, das war – vergangen und für immer fort. Charakteristische Aspekte aus Leppäläs existentem Œuvre, scheinen nun eine gesteigerte Intensität, Eigenständigkeit und Kompromisslosigkeit aufzuweisen."
Die Eröffnung findet statt am Freitag, 15. Januar 2016 von 18 – 21 Uhr . Danach ist die Ausstellung vom 16. Januar – 5. März 2016 zu sehen. Gallery TaiK Persons, Lindenstraße 34, 10969 Berlin, gallerytaikpersons.com
Gallery Taik Persons was founded in 1995 in Helsinki and is since 2005 located in Berlin. The gallery represents a select group of established and emerging artists. The program is centered around a conceptually rigorous artistic practice with a main focus on the photographic process. It is the prime gallery for those selected artists who now make up what is known as the Helsinki School. Its creator and director Timothy Persons is Adjunct Professor at Aalto University, School of Arts, Design and Architecture.