Produkte, die sich im Takt der Musik öffnen, schweben und in einem einzigen Take scheinbar die Physik überwinden. Was früher massiven technischen Aufwand erforderte - Roboter, SFX-Teams, High-Speed-Equipment - realisieren MIERSWA-KLUSKA heute mit einem hybriden AI-Workflow, der klassische Fotografie und künstliche Intelligenz intelligent verbindet.
Ausgangspunkt sind handgefertigte Fotografien, produziert von einem kleinen, fokussierten Team. Diese werden mithilfe von AI animiert und erweitert. Das Ergebnis: neue Bewegungen, überraschende Effekte und eine emotionale Bildsprache, die zuvor kaum realisierbar war.
„AI ersetzt bei uns keine Gestaltung – sie erweitert sie. Entscheidend bleiben Idee, Licht und präzise Produktinszenierung. Alles andere ist Werkzeug,“ so das Kreativ-Team.
Mit MAGIC MOVES zeigen MIERSWA-KLUSKA, wie hybride AI-Produktionen heute aussehen können: reduziert im Setup, stark in der Idee – maximal in der Wirkung. Im Interview mit GoSee spricht Andreas Mierswa über neue gestalterische Freiheiten, den bewussten Einsatz von AI und darüber, warum Idee und Licht auch im KI-Zeitalter die entscheidenden Faktoren bleiben.
Ihr kommt aus einer extrem handwerklichen Disziplin. Gab es einen konkreten Moment, an dem ihr entschieden habt, AI nicht nur zu beobachten, sondern aktiv in euren Workflow zu integrieren? MK: Neue Techniken haben uns schon immer interessiert, weil sie Impulse geben und neue Bilder ermöglichen. Deshalb haben wir das Thema AI auch relativ früh beobachtet, zugegebenermaßen anfangs durchaus argwöhnisch. Aber irgendwann ist man auch seinen Kund:innen Rechenschaft schuldig und muss sich fragen: Welchen konkreten Vorteil kann ich meinem Kunden – und letztlich auch mir selbst – verschaffen?
Mit MAGIC MOVES zeigt ihr, dass komplexe Bewegungen und Effekte heute ohne riesige technische Setups möglich sind. Was hat euch diese neue Freiheit konkret ermöglicht – gestalterisch wie konzeptionell? MK: Gerade im Bewegtbild sind wir zuletzt immer wieder an technische Grenzen gestoßen, speziell in Verbindung mit Liquids und verschiedenen Effekten. Mit AI haben wir nun ein weiteres Tool, um uns ein Stück weit gegen die Physik zu wehren. Man muss nicht mehr bei jeder Szene zuerst überlegen, welcher Aufwand in der Umsetzung nötig wäre – man kann freier denken und konzipieren.
Was kann AI in eurem Prozess leisten – und was soll sie ganz bewusst nicht übernehmen? MK: Es gibt nicht die eine AI. Es gibt viele unterschiedliche Programme, Ansätze und Zielsetzungen. Da muss jeder für sich definieren, wofür er sie einsetzen will. Für uns ist AI im Moment ein sehr gutes Tool, um bewegten Content zu erstellen, basierend auf unseren eigenen Styleframes. Wir geben den Look vor und lassen uns gerne überraschen. Gleichzeitig wollen wir maßgeblich am Ergebnis beteiligt sein.
Wenn Bilder immer leichter generierbar werden: Woran erkennt man für euch Qualität? MK: Die technische Qualität wird immer besser und einem breiteren Publikum zugänglich – aber das war bei Kameras ja auch so. Niemand freut sich darüber, dass ein Bild einfach nur fotorealistisch ist. Die entscheidende Frage ist: Macht das Bild in seinem Kontext Sinn? Hat es eine Idee? Berührt es mich? Oder existiert es nur, weil es technisch möglich ist?
Welcher handwerkliche Skill hilft euch im AI-Zeitalter besonders? MK: Unser fotografischer Hintergrund hilft enorm – vor allem bei Licht, Perspektive und Planung, besonders im Bewegtbild, wo sich diese Parameter im Shot verändern. Genauso wichtig ist es, eigenes Ausgangsmaterial zu produzieren und damit eine klare Eigenständigkeit zu garantieren.
Welcher Aspekt eurer Arbeit hat sich durch AI am stärksten verändert – vielleicht auch überraschend? MK: Unsere Treatments sehen jetzt definitiv besser aus.
Seht ihr euch heute eher als Fotograf:innen, Image-Maker oder visuelle Konzepter? MK: Die Grenzen haben sich schon länger aufgelöst. Unser Ursprung ist Fotografie und Kameraarbeit – aber wir denken heute stärker in Bildern, Konzepten und Bewegtbildformaten.
Welche Art von Projekten möchtet ihr in den nächsten Jahren verstärkt realisieren? MK: Möglichst Projekte mit Bestand – zeitlose Arbeiten. Wir sind in den letzten Jahren stärker in den Kosmetikbereich vorgedrungen, da ist aber noch Luft nach oben. Und es macht nach wie vor Spaß, mit Robotern und Highspeed-Kameras zu arbeiten.
Gibt es etwas, das ihr euch trotz aller neuen Tools bewusst bewahrt? MK: Die Freiheit, all diese Tools nach unserer eigenen Idee frei zu kombinieren.


